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Unternehmen | Donnerstag, 1. September 2011, 09:33 Uhr

Milliarden-Verkauf von T-Mobile USA droht zu scheitern

Frankfurt/Washington Herber Rückschlag für Telekom-Chef Rene Obermann: Der 39 Milliarden Dollar schwere Verkauf der schwächelnden Tochter T-Mobile USA an AT&T gerät nach dem Einspruch der US-Regierung ins Wanken.

Die Aufseher in Washington fürchten, dass der Wettbewerb auf dem Mobilfunkmarkt durch das Geschäft weiter zurückgehen würde und wollen die Fusion deshalb juristisch verhindern. Die Aktien des Bonner Konzerns und von AT&& stürzten daraufhin am Mittwoch ab.

US-Vize-Justizminister James Cole reichte nach eigenen Aussagen Klage gegen die Fusion der Nummer zwei und vier auf dem Mobilfunkmarkt ein. Die Transaktion berge die Gefahr, dass mehrere zehn Millionen Bürger im ganzen Land weniger Auswahl hätten und höhere Mobilfunk-Preise zahlen müssten. Beide Konzerne zusammen buhlten auf mindestens 97 der 100 wichtigsten US-Mobilfunkmärkte um Kunden - nach dem geplanten Zusammengehen wäre es mit der Konkurrenz vorbei. "Derzeit gibt es vier bundesweite Mobilfunkfirmen mit zusammen 90 Prozent Marktanteil - den Wettbewerb zu erhalten ist elementar", sagte Cole.

Die Telekom und AT&T kündigten an, mit allen Mitteln gegen die Klage des Ministeriums kämpfen zu wollen. "Die Entscheidung des amerikanischen Department of Justice, Rechtsmittel im Rahmen des Genehmigungsprozesses für die Übernahme der T-Mobile USA durch AT&T einzulegen, bedeutet nicht das Aus für die geplante Transaktion", erklärte die Telekom. "Wir werden zusammen mit AT&T für die geplante Transaktion auch vor Gericht eintreten."

TELEKOM WINKT MILLIARDEN-ENTSCHÄDIGUNG

Die Klage ist für die Telekom ein Nackenschlag, da das Ministerium zusammen mit der Regulierungsbehörde FCC grünes Licht für den Deal geben muss. Die FCC erklärte, noch keine Entscheidung getroffen zu haben. Allerdings habe die Behörde noch nie eine bedeutende Fusion genehmigt, die vom US-Justizministerium angefochten wurde, erklärte eine FCC-Vertreter. Das endgültige Urteil soll nach früheren Angaben in der ersten Jahreshälfte 2012 fallen.

Sollten die US-Behörden den Deal stoppen, gehen die Bonner nicht leer aus. AT&T muss der Telekom in diesem Fall mit sechs Milliarden Dollar entschädigen: drei Milliarden Dollar in bar und der Rest als Sachleistungen wie Funk-Frequenzen. Das hatten beide Unternehmen bei Abschluss vereinbart. Bei der Telekom war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Ein Banker, der Telekom bei dem Verkauf berät, gibt der Übernahme trotz der Klage weiter Chancen. "Das gehört normalen Ritual bei Wettbewerbsverfahren in den USA." Auch Mark James von Liberum Capital geht davon aus, "dass der Deal am Ende freigegeben wird". Andere Experten sehen dagegen nur geringe Chancen, die US-Behörden umzustimmen. "Der Antrag ist aus unserer Sicht ernstzunehmen und nicht nur Teil einer Strategie, um AT&T am Verhandlungstisch zu weiteren Auflagen und Zugeständnissen zu zwingen", erklärten die Analysten von Stifel Nicolaus. In Frankfurt brachen Telekom-Aktien um 7,6 Prozent ein, AT&T-Aktien verloren in New York 4,5 Prozent.

Analyst Steve Clement von Pacific Crest beschäftigt sich bereits mit der Frage, welche Optionen T-Mobile nach dem Platzen der Fusion hat. Aus seiner Sicht könnte der Konzern dann mit dem kleineren AT&T-Rivalen Sprint Nexel zusammengehen. Die Aktien von Sprint Nexel schossen über sieben Prozent nach oben.

NETZAUSBAU STATT VERKAUF?

Der Deal mit AT&T sollte eigentlich das Meisterstück von Konzernchef Obermann werden, mit dem er ein langjähriges Sorgenkind loswerden wollte. Vom damaligen Telekom-Chef Ron Sommer vor zehn Jahren noch als Wachstumslokomotive gepriesen, schlitterte der T-Mobile USA vor einigen Jahren in die Krise. Die US-Tochter, die ein Viertel des Konzernumsatzes erzielt, trat auf der Stelle, während große Konkurrenten wie AT&T mit exklusiven Handys wie dem iPhone von Apple und kleinere Anbieter mit Discount-Preisen neue Kunden gewannen. Zudem hatte T-Mobile USA sein Netz zu spät für schnelle Datenübertragungen aufgerüstet - darunter leidet das Image immer noch.

Noch im Januar hatte die Telekom angekündigt, ihre Netz für viel Geld ausbauen zu wollen - viele Aktionäre hielten das aber für zu riskant und gingen dagegen auf die Barrikaden. Sollte Obermanns mit dem Verkauf scheitern, müsste er die Ausbaupläne wohl oder übel wieder aus der Schublade holen.

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