Unternehmen | Freitag, 22. Februar 2013, 16:18 Uhr

Goldgräberstimmung bei VW - 22 Milliarden Euro Gewinn

Hamburg Fast 22 Milliarden Euro Gewinn: Volkswagen hat im abgelaufenen Jahr soviel verdient wie nie zuvor ein deutsches Unternehmen.

Selbst die Euro-Krise, unter der die gesamte Konkurrenz von Opel über Ford und Fiat bis Peugeot ächzt, bremste den Zwölf-Marken-Konzern aus Wolfsburg kaum. Trotz heftiger Preiskämpfe in Westeuropa, Milliardeninvestitionen in das neue Baukastensystem und der Eingliederung der Marken Porsche und MAN stieg der Betriebsgewinn 2012 um zwei Prozent auf 11,5 Milliarden Euro, wie VW am Freitag mitteilte. Etwa soviel hatten Analysten erwartet.

"Das wirtschaftliche Umfeld für unser Geschäft ist im Jahresverlauf deutlich schwieriger geworden. Dennoch ist es uns gelungen, die selbstgesteckten Ziele für das Jahr 2012 zu erreichen", sagte Konzernchef Martin Winterkorn. Der Überschuss schnellte wegen Sondereffekten aus der Porsche-Übernahme um fast 40 Prozent auf 21,9 Milliarden Euro. 12,3 Milliarden Euro davon stammen aus Neubewertungen im Zusammenhang mit der vollständigen Übernahme des Porsche-Sportwagengeschäfts, stehen also nur auf dem Papier. Schon im vorangegangenen Jahr hatte Volkswagen aufgrund von Bilanzeffekten aus der geplatzten Fusion mit der Porsche Holding SE unter dem Strich mit knapp 16 Milliarden Euro soviel verdient wie kein deutsches Unternehmen zuvor.

CHEF-GEHALT WIRD GESTUTZT - KEINER IN EUROPA BEKOMMT MEHR

Den VW-Aktionären und der Belegschaft winken angesichts des Rekordgewinns abermals höhere Beteiligungen. Die Dividende soll um 50 Cent auf 3,50 Euro je Stamm- und 2,56 Euro je Vorzugsaktie angehoben werden. Analysten hatten im Schnitt mit 35 Cent mehr für die Stammaktien gerechnet. Das schickte die Aktie auf Talfahrt.

Wegen des rasanten Gewinnsanstiegs beschloss der Aufsichtsrat am Freitag ein neues Vergütungssystem, um den Gehaltsanstieg des Managements zu bremsen. Konzernchef Martin Winterkorn erhält nun rund 14,5 Millionen Euro für das abgelaufene Jahr und damit 5,5 Millionen weniger, als ihm nach den zuletzt gültigen Kriterien zugestanden hätten. Damit will VW verhindern, erneut ins Zentrum einer Diskussion um hohe Managementbezüge zu geraten - wie 2011, als Winterkorn mehr als 17 Millionen Euro verdiente. Auch mit über 14 Millionen ist Winterkorn der am besten bezahlte Vorstandschef in Europa.

UMSATZ SO HOCH WIE FINNLANDS BIP

Der Konzernumsatz kletterte zugleich um mehr als ein Fünftel auf 192 Milliarden Euro, das entspricht der Wirtschaftskraft Finnlands. Der Anstieg resultierte zu einem beträchtlichen Teil aus der Übernahme von Porsche und des Münchner Lkw-Bauers MAN. Die Barmittel sanken nach der vollständigen Übernahme von Porsche, dem Kauf des italienischen Motorradherstellers Ducati und der Anteilsaufstockung bei MAN auf 10,6 Milliarden Euro, womit VW immer noch über ein vergleichsweise dickes Polster verfügt.

ERSTE KRATZER

Mit der Rekordfahrt dürfte es allerdings nicht so weitergehen. "Auch wir können uns dem harten Wettbewerb und der tiefgreifenden Krise in wichtigen europäischen Märkten nicht ganz entziehen", erklärte Winterkorn. Dennoch will Volkswagen auch im laufenden Jahr besser abschneiden als die Konkurrenz. Auslieferungen und Umsatz sollen den Vorjahreswert übertreffen. Beim operativen Ergebnis rechnet der Vorstand indes mit einem weiteren Jahr Stagnation.

Im Januar hatte VW die Krise in Südeuropa bereits stärker zu spüren bekommen, die Auslieferungen in Westeuropa (ohne Deutschland) sanken um 12,3 Prozent. Dank des starken Geschäfts in Amerika und eines Sondereffekts in China schlug der Konzern rund um den Globus allerdings 17,4 Prozent mehr Fahrzeuge los als vor einem Jahr.

2012 hatte die starke Nachfrage in den USA und China dazu beigetragen, dass VW weltweit erstmals mehr als neun Millionen Fahrzeuge verkaufte. Damit kamen die Wolfsburger ihrem Ziel von mehr als zehn Millionen Autos einen großen Schritt näher, das sie bis 2018 erreichen wollen.

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