Linke stellt Sodann für Präsidentenwahl auf

Dienstag, 14. Oktober 2008, 19:51 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die Linkspartei stellt den ehemaligen Tatort-Kommissar Peter Sodann als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten auf.

"Er wäre ein wirklicher Präsident des Volkes", begründete Partei- und Fraktionschef Oskar Lafontaine die Entscheidung am Dienstag in Berlin. Der 72-jährige ostdeutsche Schauspieler und Theaterintendant sei sehr erfolgreich, genieße große Zustimmung in der Bevölkerung und habe sich stets für gesellschaftliche und wirtschaftliche Fragen engagiert. Der gebürtige Sachse und Vater von vier Kindern tritt am 23. Mai 2009 gegen Amtsinhaber Horst Köhler und SPD-Kandidatin Gesine Schwan an, allerdings chancenlos.

Lafontaine sagte, der Schauspieler setze sich seit jeher für Frieden, Demokratie, Chancengleichheit und eine gerechte Vereinigung ein. Als Kommissar Bruno Ehrlicher habe er in der ARD-Serie "Tatort" 16 Jahre lang die wohl authentischste Persönlichkeit der Krimireihe verkörpert. Lafontaine und Co-Fraktionschef Gregor Gysi verwiesen zudem darauf, dass Sodann auch mit dem DDR-Staat über Kreuz lag. In den 1960er Jahren wurde er wegen eines Kabarettprogramms zu einem Jahr und zehn Monaten Gefängnis verurteilt, wegen "fortgesetzter Hetze".

Mit der Nominierung verschlechtern sich die Chancen für SPD-Bewerberin Schwan, die auf Stimmen der Linken angewiesen ist. Die Linken-Spitze schloss erneut nicht aus, dass ihre Wahlleute in einem zweiten oder dritten Wahlgang für Schwan stimmen könnten. Auch Köhler muss somit um sein Amt bangen, da Union und FDP als Unterstützer seiner Wiederwahl in der Bundesversammlung nur über eine hauchdünne Mehrheit verfügen. SPD-Fraktionschef Peter Struck sagte, er mache sich um die Kandidatin seiner Partei, die mit Interviewäußerungen Unmut bei der Linken ausgelöst hatte, keine Sorgen. "Frau Schwan wird schon die notwendige Zustimmung bekommen", sagte er.

SODANN: ICH KANN UNGERN NEIN SAGEN

Sodann hatte sich bereits 2005 zu einer Spitzenkandidatur für die Linke bei der vorgezogenen Bundestagswahl bereiterklärt. Später zog der Sohn einer Arbeiterfamilie aus Meißen seine Bewerbung zurück, nachdem der MDR ihm gedroht hatte, ihn nicht weiter als Tatort-Kommissar zu beschäftigen. In der Rolle des Bruno Ehrlicher war Sodann in 45 Folgen zu sehen. Die letzte Sendung wurde im April vergangenen Jahres ausgestrahlt.

Nach seiner Zeit im Gefängnis holte ihn 1964 die Brecht-Witwe Helene Weigel ans Berliner Ensemble, wo er große Erfolge feierte. Nach weiteren Stationen ging er 1980 als Schauspieldirektor nach Halle, wo er noch immer lebt. Dort entwickelte er ein bedeutendes ostdeutsches Kulturzentrum.

Der Schauspieler begründete seine Kandidatur für das höchste Staatsamt mit dem Satz: "Ich kann ungern Nein sagen." Er wolle seine ganze Kraft einsetzen, um der Linken zu helfen. "Mein Herz hat immer links geschlagen." Dabei sei es ihm stets um eine Idee gegangen, der er treu bleiben wolle. "Ich bleibe bei den utopischen Sozialisten." Dazu gehöre der Wunsch, dass niemand mehr in den Krieg ziehen müsse und der deutsche Einsatz in Afghanistan beendet werde. Zugleich kritisierte Sodann die Geldvermehrung der Banken, für die am Ende die Steuerzahler aufkommen müssten. Dies sei nicht gerecht.

Zum angepeilten Bundespräsidentenamt gab sich der Ehrenbürger von Halle realistisch: "Ob ich das nun werde, ist ein zweites Feld und es ist ein weites Feld. Ganz dämlich bin ich auch nicht."