Jung spricht erstmals von gefallenen Soldaten

Freitag, 24. Oktober 2008, 15:44 Uhr
 

Zweibrücken (Reuters) - Verteidigungsminister Franz Josef Jung hat die in Afghanistan getöteten Soldaten erstmals als Gefallene bezeichnet.

"Ich verneige mich in Dankbarkeit und Anerkennung vor den Toten, die für unser Land im Einsatz für den Frieden gefallen sind", sagte Jung bei der Trauerfeier für die beiden bei einem Selbstmordanschlag getöteten Fallschirmjäger am Freitag in der Zweibrücker Alexanderskirche. Er übernahm damit eine Wortwahl, zu der ihn die Truppe schon länger gedrängt hatte.

Der Bundeswehrverband begrüßte den neuen Tonfall. "Das sagt der Öffentlichkeit weit deutlicher, worum es in Afghanistan geht", sagte Sprecher Wilfried Stolze Reuters. "Das ist die richtige Art, in der Öffentlichkeit mit deutschen Opfern umzugehen. Es wird bei den Soldaten sehr gut ankommen".

Der Grünen-Verteidigungsexperte Winfried Nachtwei sagte Reuters, die Soldaten bei der Trauerfeier hätten die neue Wortwahl erleichtert aufgenommen. Der Minister komme damit den Bedürfnissen der Truppe entgegen. "Das ist keine Militarisierung der Sprache", betonte der Grünen-Politiker. Von einem Krieg der Bundeswehr in Nordafghanistan will er indes nicht sprechen. Im Süden und Osten des Landes herrsche zwar eindeutig Krieg, sagte Nachtwei. Im Norden, vor allem in der Region Kundus, sei die Lage anders, dort entstehe ein Guerilla-Krieg. "Die Situation ist zum Teil kriegerisch, die Bundeswehr führt dort aber keinen Krieg", betonte Nachtwei.

Der Bundeswehrverband hatte mehrfach gefordert, die in Afghanistan getöteten Soldaten als Gefallene und den Konflikt am Hindukusch als Krieg zu bezeichnen. Jung will dagegen nicht von einem Krieg sprechen. Die Auseinandersetzung in Afghanistan sei allein mit militärischen Mitteln nicht zu gewinnen und daher kein Krieg, bekräftigte er vor einigen Tagen. Viele Soldaten sehen dies allerdings anders.

Bei der Trauerfeier in Zweibrücken sprach Jung den Familien der beiden 22 und 25 Jahre alten Fallschirmjäger, deren Särge mit Deutschlandfahnen bedeckt in der Kirche aufgebahrt waren, im Namen von Kanzlerin Angela Merkel das Mitgefühl der Regierung aus. Zugleich betonte der Minister die Bedeutung des Einsatzes am Hindukusch. "Entweder bekämpfen wir den Terrorismus in Afghanistan oder der Terrorismus kommt zu uns", warnte er. Nur ein friedliches und stabiles Afghanistan werde verhindern, dass von dort wieder Terror in die Welt getragen werde. An die Bürger appellierte der Minister, den Soldaten Rückhalt zu geben. Sie verdienten Achtung, Respekt und die breite Unterstützung der Gesellschaft.

Die beiden 22 und 25 Jahre alten Fallschirmjäger hatten am Montag nahe der Stadt Kundus eine Suchaktion nach Waffenlagern abgesichert, als sich ein Selbstmordattentäter auf einem Fahrrad neben ihnen in die Luft sprengte. Bei dem Anschlag wurden auch fünf afghanische Kinder getötet und zwei weitere deutsche Soldaten verletzt.

Die Fallschirmjäger waren mit ihrer Einheit als Verstärkung nach Kundus geschickt worden, weil sich die Sicherheitslage dort in den vergangenen Monaten zunehmend verschlechtert hatte. Schon Ende August wurde ein Soldat ihres Bataillons bei Kundus durch eine Sprengfalle getötet. Seit Beginn des Einsatzes Anfang 2002 sind 30 deutsche Soldaten ums Leben gekommen. Der Bundestag verlängerte vergangene Woche den Afghanistan-Einsatz und erhöhte die Mandatsobergrenze um 1000 auf 4500 Soldaten.