Ifo-Chef Sinn entschuldigt sich für Antisemitismus-Vergleich

Montag, 27. Oktober 2008, 13:22 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, hat sich am Montag für seinen Vergleich der Kritik an Managern mit dem Antisemitismus der 1930er Jahre entschuldigt.

"Ich bitte die jüdische Gemeinde um Entschuldigung und nehme den Vergleich zurück", schrieb Sinn in einem Brief an die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch.

"Ich bedauere es sehr, dass sich die jüdische Gemeinschaft durch meine Äußerungen im 'Tagesspiegel' vom 27. Oktober 2008 verletzt fühlt", schrieb Sinn. "Ich habe das Schicksal der Juden nach 1933 in keiner Weise mit der heutigen Situation der Manager vergleichen wollen. Ein solcher Vergleich wäre absurd."

Sinn hatte in dem Interview angesichts der Finanzkrise die Manager in Schutz genommen. "In jeder Krise wird nach Schuldigen gesucht, nach Sündenböcken", sagte Sinn in dem Interview. "Auch in der Weltwirtschaftskrise von 1929 wollte niemand an einen anonymen Systemfehler glauben. Damals hat es in Deutschland die Juden getroffen, heute sind es die Manager."

In seinem Schreiben an Knobloch erläuterte Sinn, es sei ihm allein darum gegangen, dass die wirklichen Ursachen weltwirtschaftlicher Krisen Systemfehler seien, die aufgedeckt und beseitigt werden müssten. "Die Suche nach vermeintlichen Schuldigen führt stets in die Irre", erklärte Sinn.