Studie: Deutsche beurteilen Sozialreformen skeptisch

Mittwoch, 19. November 2008, 11:17 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die Deutschen sind einer Studie zufolge so unzufrieden mit dem Sozialsystem wie seit 25 Jahren nicht mehr.

Auf einer Skala von Null bis Zehn erhalten die sozialen Sicherungssysteme die Note 5,0 in Ostdeutschland und 5,5 im Westen, wie aus dem Sozialbericht "Datenreport 2008" hervorgeht, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Höher Gebildete und Besserverdienende seien dabei noch relativ zufrieden mit Kranken-, Renten- oder Arbeitslosenversicherungen. Bei Einkommensschwachen und Arbeitslosen sei die Unzufriedenheit dagegen besonders stark ausgeprägt. Das gelte auch für die 35- bis 59-Jährigen, die für die Finanzierung des Sozialsystems besonders wichtig seien.

Auch mit ihren Einkommen seien die Deutschen vergleichsweise unzufrieden, schrieben die Forscher. Von 2001 bis 2006 stagnierten die Realeinkommen; allerdings ging in dieser Zeit die Schere zwischen Arm und Reich deutlich auseinander. Während der Anteil am gesamten Einkommen, über den die ärmsten 20 Prozent der Haushalte verfügen könnten, gesunken sei, könnten die wohlhabendsten 20 Prozent über immer mehr Geld verfügen.

Noch unzufriedener als mit ihrem Haushaltseinkommen seien die Deutschen aber mit der Demokratie. Die 2005 gemessenen Werte von 5,2 Punkten in Westdeutschland und 3,9 Punkten im Osten wiesen auf ein "besorgniserregend niedriges Niveau der Demokratiezufriedenheit in Deutschland" hin, heißt es. Besonders Arbeitslose, gering Gebildete und Bezieher niedriger Einkommen seien skeptisch. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, "dass die Perspektivlosigkeit einzelner Bevölkerungsgruppen und deren Abkopplung vom allgemeinen Wohlstandsniveau ein Risiko und Konfliktpotenzial für die Demokratie insgesamt darstellen könnte".

Trotz der Erfolge Deutschlands im internationalen Bildungsvergleich bei den Naturwissenschaften sind die Deutschen mit ihrem Bildungssystem wenig einverstanden. Mit 4,3 Punkten werden Schulen und Hochschulen nach Einschätzung der Forscher vergleichsweise schlecht bewertet. Nur in Portugal erhielten Schulen und Hochschulen im Vergleich von 21 europäischen Ländern eine noch schlechtere Note. In der jüngsten Pisa-Studie haben sich auch die Leistungen der Schüler in der Mathematik verbessert. Schwierigkeiten gibt es aber weiter beim Lesen.