Verdi pocht trotz Krise auf hohe Lohnforderungen

Sonntag, 21. Dezember 2008, 14:39 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die Gewerkschaft Verdi sieht trotz der Finanz- und Wirtschaftskrise keinen Grund für Lohnzurückhaltung der Arbeitnehmer.

Gerade in der Krise seien zusätzliche Lohnforderungen der Gewerkschaften angebracht, sagte Verdi-Chef Frank Bsirske am Wochenende im Deutschlandradio Kultur. Höhere Gehälter etwa für die Bediensteten der Länder wie auch für Mitarbeiter in Großunternehmen stärkten die Kaufkraft im Inland. Dies sei wichtig, weil der Export zurückgehe und der Aufschwung "perspektivisch nur von innen kommen kann".

2008 sei seit langem das erste Jahr gewesen, in dem es überhaupt Reallohnzuwächse gegeben habe, sagte der Verdi-Chef. "Das muss fortgesetzt werden, denn alle hoffen darauf, dass der Konsum anspringt." In den Jahren zuvor hätten sich Reallohnverzichte angehäuft, wodurch der Aufschwung an den Arbeitnehmern vorbeigegangen sei.

Die Gewerkschaft verlangt in der anstehenden Tarifrunde für die Bediensteten der Länder acht Prozent mehr Lohn. Die Verhandlungen starten in der zweiten Januarhälfte.

Verdi-Vizechefin Margret Mönig-Raane räumte in der "Berliner Zeitung" vom Samstag ein, die derzeitige Situation zwinge ihre Gewerkschaft zu einem Spagat: "Trotz Wirtschaftskrise wollen wir Lohnabschlüsse erzielen, die die Kaufkraft unserer Kolleginnen und Kollegen stärken. Damit wäre auch der Konjunktur gedient." Ein Erfolg wäre es nach ihren Worten allerdings schon, wenn es gelinge, Kaufkraftverluste zu verhindern.

Zahlreiche Indikatoren deuten derzeit darauf hin, dass die deutsche Wirtschaft vor einer ihrer schwersten Krisen steht. So fiel etwa der Ifo-Geschäftsklimaindex im Dezember auf den niedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel schwor die Bürger am Wochenende auf ein schwieriges Jahr 2009 ein.