Russisches Gas strömt unvermindert nach Deutschland
Berlin/Moskau/Kiew (Reuters) - Der Lieferstopp im Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine hat auch am zweiten Tag keinen Einfluss auf die Versorgung in Deutschland und im übrigen Westeuropa gehabt.
"Derzeit erhalten wir alle vertraglich vereinbarten Mengen", sagte ein Sprecher der BASF-Tochter Wintershall, deren Gashandelsgesellschaft Wingas im Erdgasgeschäft mit Russland aktiv ist. Die tschechische RWE-Tochter Transgas sowie Versorger aus Österreich, Ungarn, Polen und weiteren Staaten äußerten sich ähnlich. Die EU will sich in den Streit vorerst nicht einmischen.
Solange die Versorgung Europas nicht beeinträchtigt sei, betrachte die Europäische Union den Streit als bilaterale Angelegenheit zwischen Russland und der Ukraine, sagte ein Sprecher der tschechischen EU-Ratspräsidentschaft. Regierungsvertreter des Landes waren zuvor in Prag mit einer Delegation unter der Führung des ukrainischen Energieministers Juri Prodan zusammengetroffen.
BUNDESREGIERUNG SIEHT GASVERSORGUNG GESICHERT
Russland hatte am Neujahrsmorgen wegen des Streits um Lieferbedingungen und Preise seine Gaslieferung an die Ukraine eingestellt. Beide Länder hatten aber zugesichert, weiter Gas für die europäischen Länder einzuspeisen beziehungsweise durch die Pipelines nach Westen zu weiterzuleiten. Europa bezieht etwa ein Fünftel seines Gases über die Leitungen durch die Ukraine. Vor drei Jahren war bei einem ähnlichen Streit zwischen Russland und der Ukraine zeitweise weniger Gas nach Deutschland gelangt.
Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministerium wies erneut daraufhin, dass selbst im Falle von Störungen bei der Lieferung durch die Ukraine die Gasversorgung für längere Zeit gesichert sei. In den gut gefüllten deutschen Speichern befinde sich Gas für etwa ein Viertel des Jahresbedarfs. Zudem kämen fast zwei Drittel des Gases für Deutschland aus westeuropäischen Quellen. Die Bundesregierung drang aber erneut auf eine schnelle Einigung zwischen der Ukraine und Russland. Beide Seiten stünden in der Pflicht, den eskalierenden Konflikt zu lösen, sagte Regierungssprecher Thomas Steg.
Der Chef des russischen Gasmonopolisten Gazprom, Alexej Miller, hatte am Donnerstag die Ukraine aufgefordert, künftig 418 Dollar pro 1000 Kubikmeter Gas zu zahlen. 2008 hatte das Land 179,50 Dollar bezahlt. Als Höchstgrenze sieht die Ukraines einen Preis von 235 Dollar. Von seinen westeuropäischen Kunden verlangt Gazprom rund 500 Dollar. In Folge des stark gesunken Ölpreises könnte der Gaspreis aber in diesem Jahr um bis zu 50 Prozent fallen. Neben dem Gaspreis streiten beide Seiten auch über die Gebühren, die Russland an die Ukraine für die Durchleitung des Brennstoffs nach Westeuropa zahlt.
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