Vatikan weist in Holocaust-Streit Kritik Merkels zurück

Dienstag, 3. Februar 2009, 19:43 Uhr
 

Vatikan-Stadt (Reuters) - Im Streit über den Holocaust-Leugner Richard Williamson hat sich der Vatikan gegen Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel an Papst Benedikt XVI. verwahrt.

Die Haltung des Papstes zum Völkermord der Nazis an sechs Millionen europäischen Juden "könnte klarer nicht sein", erklärte Sprecher Federico Lombardi am Dienstag. Er verwies auf Äußerungen des Oberhaupts der römisch-katholischen Kirche zum Holocaust und zum Judentum bei dessen Besuchen in der Kölner Synagoge 2005, im ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz 2006 sowie in der Generalaudienz in der vorigen Woche.

Mit ihrer Forderung an den Papst, seine Haltung zu Holocaust-Leugnern klarzustellen, hatte sich Merkel in die Schar der Kritiker des deutschen Pontifex Maximus eingereiht. "Es geht hier darum, dass hier von Seiten des Papstes und des Vatikan sehr eindeutig klargestellt wird, dass es hier keine Leugnung geben kann und dass es einen positiven Umgang mit dem Judentum geben muss", hatte die Protestantin Merkel gefordert. Die Kanzlerin betonte, dass sie normalerweise innerkirchliche Entscheidungen nicht bewerte oder kommentiere. "Allerdings ist das anders, wenn es um Grundsatzfragen geht", sagte Merkel.

Williamson ist einer von vier ultrakonservativen Bischöfen, deren 20 Jahre zurückliegende Exkommunikation Benedikt aufgehoben hatte. Die Entscheidung löste weltweit Empörung aus. Williamson leugnet die Existenz von Gaskammern und erklärte vorige Woche in einem Fernsehinterview, in den deutschen Konzentrationslagern seien nur 300.000 Juden ums Leben gekommen.

Auch in den eigenen Reihen geriet Benedikt mit seiner Entscheidung unter Druck. So warf der für die Beziehungen zum Judentum zuständige Kardinal Walter Kasper dem Vatikan schlechtes Management und mangelnde Kommunikation vor. "Man hat da vorher im Vatikan zu wenig miteinander gesprochen und nicht abgecheckt, wo die Probleme auftreten könnten", sagte Kasper im deutschen Programm von Radio Vatikan. Er beobachte die Debatte mit großer Sorge. "Niemand kann sich darüber freuen, dass Missverständnisse aufgetreten sind." Auch im Management des Vatikans seien Fehler gemacht worden.

BISCHOF MARX: IN KIRCHE IST KEIN PLATZ FÜR HOLOCAUST-LEUGNER

Mehrere katholische Bischöfe äußerten Unverständnis über die Rehabilitation Williamsons, der sich inzwischen beim Papst für Unannehmlichkeiten zwar entschuldigt, seine umstrittenen Äußerungen aber nicht zurückgenommen hat. "Wer den Holocaust leugnet, hat keinen Platz in der katholischen Kirche", erklärte der Münchner Erzbischof Reinhard Marx. Ähnlich äußerte sich auch sein Osnabrücker Kollege Franz-Josef Bode, der im NDR von völlig irritierten Gemeindemitgliedern sprach.

Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Lala Süskind, forderte die sofortige Exkommunikation Williamsons. "Es gibt nur eins: Dieser Mann muss aus der katholischen Kirche raus", sagte Südkind im Deutschlandradio Kultur.