Merkel ruft nach Amoklauf zu mehr Wachsamkeit auf

Sonntag, 15. März 2009, 14:59 Uhr
 

Berlin/Winnenden (Reuters) - Kanzlerin Angela Merkel hat nach dem Amoklauf eines 17-Jährigen zu mehr Wachsamkeit aufgerufen.

"Wir müssen aufmerksam sein (...) auf alle jungen Menschen", sagte sie am Sonntag im Deutschlandfunk. Das gelte sowohl für Eltern als auch für Erzieher. "Wir müssen alles tun, um zu schauen, dass Kinder nicht an Waffen kommen, dass ihnen auch sicherlich nicht zu viel Gewalt zugemutet wird." Innenminister Wolfgang Schäuble warnte jedoch vor zu raschen Gesetzesinitiativen. Vor wenigen Tagen hatte der Junge in Winnenden an seiner früheren Schule und auf der Flucht 15 Menschen erschossen. Laut Polizei tötete er sich dann selbst.

Merkel mahnte, die sichere Aufbewahrung von Waffen und Munition müsse kontrolliert werden. Denkbar seien unangemeldete Kontrollen. Dies lehnte der Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag, Sebastian Edathy, als "nicht durchdacht" ab. Spontane Kontrollen von Waffenbesitzern seien weder rechtlich zulässig noch zielführend, sagte er der "Berliner Zeitung" (Montagausgabe) laut Vorabbericht.

Zur Diskussion über ein Verbot von Gewaltvideos sagte die Kanzlerin, man dürfe nicht nur mit der Freiheit des Internets argumentieren. "Ich gehöre, ehrlich gesagt, zu denen (...), die immer wieder überlegen: Kann man nicht doch etwas tun?"

Innenminister Schäuble warnte vor einem Vorpreschen: "Ich bin ausdrücklich nicht der Meinung, dass man zwei Stunden nach einem solchen Ereignis sicher wissen kann, welche Gesetze es braucht, um so etwas zu verhindern", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Die Polizei Waiblingen widersprach einem Bericht des "Spiegel", der Amokläufer habe wenige Stunden vor seiner Tat das Killerspiel "Far Cry 2" gespielt. Es gebe keine gesicherten Hinweise, dass er exakt an diesem Abend das Computerspiel gespielt habe, erklärte ein Polizeisprecher. "Die Zeit, zu der er den PC ausschaltete, angeblich 21.40 Uhr, kann ebenfalls nicht bestätigt werden." Er bestätigte aber, dass auf dem Rechner die Killerspiele "Counter-Strike" und "Tactical Ops" sowie eine größere Zahl Pornobilder gefunden wurden.

An der Albertville-Realschule, an der der 17-Jährige um sich geschossen hat, bleiben die Schüler auch in der kommenden Woche vom Unterricht befreit. "Die nächste Woche wird eine sehr schwierige", sagte der Schuldirektor bei Regierungspräsidium Stuttgart, Wolfgang Schiele. "Es sind Beisetzungen, es findet aber auch ein freiwilliges Unterrichtsangebot (...) statt."

An der zentralen Trauerfeier in Winnenden am Samstag werden Merkel und Bundespräsident Horst Köhler teilnehmen.

 
<p>The back entrance gate of the shooting club of the 17-year old Albertville-Realschule gunman is pictured in Leutenbach near Winnenden March 13, 2009. A 17-year old gunman went on a shooting spree at his former secondary school, the Albertville-Realschule in Winnenden in southwest Germany on Wednesday, killing up to 16 people before dying himself in a shootout with police. REUTERS/Michael Dalder</p>