Rüttgers sieht U-Bahn-Bau als Grund für Archiv-Einsturz

Mittwoch, 24. Juni 2009, 15:25 Uhr
 

Köln (Reuters) - Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs vor gut dreieinhalb Monaten steht nach Ansicht des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers in direktem Zusammenhang mit dem U-Bahn-Bau in der Domstadt.

"Als gesichert kann gelten: beim Bau der U-Bahn ist etwas schiefgelaufen, gewaltig schiefgelaufen", sagte Rüttgers am Mittwoch in Köln bei einer Expertenanhörung zu Konsequenzen aus der Katastrophe. Die Bauaufsicht müsse komplett auf den Prüfstand gestellt werden, forderte der CDU-Politiker. Gefragt werden müsse etwa, ob die Beweispflicht bei Schäden richtig definiert sei. Es dürfe für Großbaustellen kein einfaches "weiter so" geben.

Das Kölner Stadtarchiv und benachbarte Gebäude waren Anfang März wie ein Kartenhaus in sich zusammengestürzt. Ein ganzer Straßenzug war in eine Trümmerlandschaft verwandelt worden. Zwei Menschen kamen dabei um. In dem an einer U-Bahn-Baustelle gelegenen Archiv waren wertvolle historische Dokumente gelagert. Das Unglück habe der Stadt Köln "eine tiefe Wunde" geschlagen, beklagte Rüttgers. Bisher seien mehr als 80 Prozent der Archiv-Bestände geborgen worden.

An den U-Bahn-Arbeiten in Köln ist ein Konsortium unter Führung des Baukonzerns Bilfinger Berger beteiligt. Zudem gehören dem Konsortium eine Tochter der niederländischen Royal BAM Groep und die Tochter Züblin der österreichischen Strabag an.

Die Kölner Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung und Baugefährdung gegen Unbekannt eingeleitet und Büros von Baufirmen durchsucht. Ein Sprecher der Anklagebehörde sagte, es lägen noch keine Zwischenergebnisse der Untersuchungen vor. "Wir sind mitten in den Ermittlungen", betonte er. Diese könnten noch Monate dauern.