Krankenkassen-Plus 2008 doppelt so hoch wie angenommen

Freitag, 3. Juli 2009, 13:16 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die gesetzlichen Krankenkassen haben im vergangenen Jahr einen doppelt so hohen Überschuss erwirtschaftet als bislang angenommen.

Das Plus habe insgesamt 1,43 Milliarden Euro betragen, teilte das Gesundheitsministerium am Freitag in Berlin unter Verweis auf das endgültige Ergebnis mit. Im März war aufgrund von Schätzungen lediglich ein Plus von 730 Millionen Euro ausgewiesen worden.

Damit sei die gesetzliche Krankenversicherung Anfang 2009 mit einem deutlich größeren Finanzpolster und einem niedrigeren Ausgabenniveau in den Gesundheitsfonds gestartet als bisher bekannt, erklärte das Ministerium. Von Ende 2003 bis Ende 2008 hätten die Kassen Bruttoschulden in Höhe von 8,3 Milliarden Euro in Finanzreserven im Umfang von rund fünf Milliarden Euro umwandeln können. Die Entschuldung sei damit abgeschlossen.

2003 wiesen den Angaben zufolge noch 214 der damals 323 Kassen Schulden auf. Ende 2008 waren von den noch bestehenden 196 Kassen lediglich sieben kleinere Betriebskrankenkassen mit rund 3,5 Millionen Euro im roten Bereich.

Seit Januar bekommen die Kassen ihre Einnahmen aus dem Gesundheitsfonds zugeteilt. 2009 betragen die Zuweisungen 167,6 Milliarden Euro. Nach Angaben des Ministeriums sind dies rund 300 Millionen Euro mehr als sie zur Deckung der Ausgaben benötigen.

Damit die Kassen Gewinne machen, müssen sie die Ausgaben im Griff halten. Als Möglichkeiten für Einsparungen stehen ihnen Einzelverträge mit Leistungsanbietern, diverse Tarifoptionen für ihre Versicherten sowie Rabattverträge mit der Pharmaindustrie zur Verfügung. Kommen die Kassen mit ihrem Geld nicht aus, müssen sie Zusatzbeiträge einfordern.

Der Bund steht dafür gerade, dass die Einnahmen aus dem Fonds im zugesagten Umfang fließen. Schätzungen zufolge muss der Bund dieses Jahr als Folge der Wirtschaftskrise mit einem zinslosen Darlehen von rund drei Milliarden Euro einspringen.

Ein Sprecher des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen erklärte, der Gesamtüberschuss von 1,43 Milliarden Euro bedeute nicht zwangsläufig, dass auch jede einzelne Kasse ein Plus erzielt habe. Eine solche Differenz zwischen Frühjahrsschätzung und Endergebnis sei nicht ungewöhnlich. Insgesamt hätten die Kassen sorgfältig und solide gewirtschaftet. Damit lasse sich erklären, warum sie bisher Zusatzbeiträge weitgehend vermeiden konnten. Im ersten Quartal wiesen die Kassen ein Plus von 1,1 Milliarden Euro aus.