Bundesbank distanziert sich von Sarrazin-Äußerungen

Mittwoch, 30. September 2009, 19:54 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die Bundesbank hat sich in ungewöhnlich scharfer Form von Äußerungen ihres Vorstandsmitglieds Thilo Sarrazin distanziert.

"Die Deutsche Bundesbank distanziert sich entschieden in Inhalt und Form von den diskriminierenden Äußerungen von Dr. Thilo Sarrazin in dessen Interview mit 'Lettre International'", teilte die Bank am Mittwoch mit. Sarrazin gebe nicht die Ansichten der Bundesbank wieder, und das Interview stehe in keinerlei Zusammenhang mit seinen Aufgaben bei der Zentralbank.

Sarrazin hatte in dem Gespräch mit der Berliner Kulturzeitschrift unter anderem eine mangelnde Integration vor allem von Türken und Arabern in der Hauptstadt kritisiert. "Eine große Zahl an Arabern und Türken in dieser Stadt, deren Anzahl durch falsche Politik zugenommen hat, hat keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel", sagte Sarrazin. Zudem betonte er, andere Migrantengruppen wie Vietnamesen oder einige Osteuropäer hätten weniger Sprachprobleme und integrierten sich besser. "Bei der Kerngruppe der Jugoslawen sieht man dann schon eher 'türkische' Probleme; absolut abfallend sind die türkische Gruppe und die Araber", sagte Sarrazin.

Berlin sei insgesamt belastet durch zwei Faktoren: "der 68er-Tradition und dem Westberliner Schlampfaktor. Es gibt auch das Problem, dass vierzig Prozent aller Geburten in der Unterschicht stattfinden", sagte der ehemalige Finanzsenator der Hauptstadt. "Ich würde einen völlig anderen Ton anschlagen und sagen: 'Jeder, der bei uns etwas kann und anstrebt, ist willkommen; der Rest sollte woanders hingehen'".

Der 64-jährige ist seit dem 1. Mai im Bundesbank-Vorstand und dort zuständig für Bargeld, Informationstechnologie und Risiko-Controlling. Zuvor war er sieben Jahre Finanzsenator in Berlin und verpasste der hoch verschuldeten Hauptstadt einen rigiden Sparkurs. Schon in dieser Zeit war er mit provokanten Äußerungen aufgefallen.

Bereits kurz nach seiner Berufung nach Frankfurt hatte Sarrazin Mitte Mai mit einem Stern-Interview für Aufsehen gesorgt. Dort hatte er für eine Art Eltern-TÜV plädiert und wegen der Finanzkrise gewarnt, sich bei einer Geldanlage von Versprechen blenden zu lassen. "Man muss den Leuten sagen, glaube keinem Bankberater", sagte Sarrazin damals. Die Bundesbank hatte daraufhin ebenfalls erklärt, die Äußerungen Sarrazins gäben nicht ihre Position wieder.