Sturmtief wütet über Westeuropa - Mehr als 50 Tote
Paris/Berlin (Reuters) - Ein Sturmtief ist am Wochenende über Westeuropa hinweggefegt und hat mehr als 50 Menschen in den Tod gerissen.
Am heftigsten betroffen war am Sonntag die mittelfranzösische Atlantikküste. Offiziellen Schätzungen zufolge könnten in dem Nachbarland allein bis zu 50 Menschen ums Leben gekommen sein. In Deutschland wurden zwei Menschen getötet, in Spanien drei und in Portugal einer. Das Tief mit dem Namen "Xynthia" zog in der Nacht zu Montag weiter nach Norden und bedrohte Dänemark sowie den Osten Deutschlands.
"Es ist eine Naturkatastrophe", sagte der französische Innenminister Brice Hortefeux dem Fernsehsender BFM. Die Behörden gaben für die Regionen Vendee, Charente Maritime und die Bretagne Flutwarnungen aus. Die Regierung stellte eine Million Euro als Soforthilfe bereit. Mehr als eine Million Menschen seien von Stromausfällen betroffen, teilte der Energieversorger EDF mit.
In der Vendee suchten Polizisten zahlreiche überflutete Gebäude ab. "Einige Bewohner wurden ertrunken aufgefunden", sagte Frederic Rose von der Präfektur des Departements. Menschen retteten sich auf Dächer und warteten dort auf ihre Rettung. In Versailles bei Paris entwurzelte der Sturm jahrhundertealte Bäume.
ZWEI MÄNNER IN WIESBADEN UND IM SCHWARZWALD GETÖTET
In Deutschland wurden zwei Menschen durch umstürzende Baumstämme getötet. Nahe Wiesbaden starb ein 69 Jahre alter Wanderer. Im Schwarzwald kam ein 74-Jähriger um, dessen Wagen ebenfalls von einem Baum getroffen wurde. Seine Frau wurde bei dem Unfall schwer verletzt.
Das Unwetter legte zudem in weiten Teilen Westdeutschlands den Bahnverkehr lahm, zahlreiche Flüge fielen aus. In Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland kam es bei der Bahn zu massiven Ausfällen und Verspätungen. Aus dem Frankfurter Hauptbahnhof, einem wichtigen Drehkreuz für den Fernverkehr, seien keine Züge mehr ein- oder ausgefahren, sagte ein Unternehmenssprecher. Der Fernbahnhof am Flughafen sei gesperrt worden. Durch herunterfallende Äste und umgestürzte Bäume wurden demnach vor allem die Oberleitungen beschädigt. Im Saarland sei der Regionalverkehr komplett eingestellt worden, in Rheinland-Pfalz konnten nur noch zwei S-Bahn-Linien bedient werden.
In der Frankfurter Innenstadt stürzten der Polizei zufolge Bäume und Schilder um. Die Stadt habe alle Parks geschlossen. Durch den Kreis Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz fegte der Sturm nach Angaben des Katastrophenschutzes mit 130 Kilometern pro Stunde. Bäume kappten Hochspannungsleitungen, viele Gemeinden blieben ohne Strom. Die Autobahn wurde zeitweise auf Höhe des Flughafens gesperrt. Auf der A6 knickte bei Grünstadt ein Autobahnschild um, auch hier wurde gesperrt.
Der Frankfurter Flughafen-Betreiber Fraport strich wegen des Sturms rund zehn Prozent der Flüge. Von den für Sonntag geplanten 1270 Starts und Landungen seien am Nachmittag 122 annulliert worden, sagte ein Sprecher des größten deutschen Flughafens. 17 Flüge seien unter anderem nach München, Stuttgart und Düsseldorf umgeleitet worden.
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