Griechischer Vizepremier greift Deutschland erneut an

Montag, 5. April 2010, 14:39 Uhr
 

Lissabon (Reuters) - Der stellvertretende griechische Ministerpräsident Theodoros Pangalos hat die harte deutsche Haltung in der Finanzkrise seines Landes erneut scharf kritisiert.

Länder wie Deutschland hätten zu den Problemen seines Landes eine moralisierende Haltung eingenommen, sagte Pangalos in einem am Montag veröffentlichten Interview der portugiesischen Zeitung "Jornal de Negocios". Nach dieser Sichtweise arbeiteten die Griechen nicht genug. Sie genössen stattdessen "das gute Wetter, die Musik und das Trinken und sind nicht so ernsthaft wie die Deutschen".

Eine solche Denkweise sei lächerlich, sagte Pangalos, der Deutschland im Februar vorgeworfen hatte, sein Land niemals für die Folgen der Besetzung im Zweiten Weltkrieg entschädigt zu haben. "Das ist eine moralisierende und rassische Herangehensweise, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat." Die Produktivität der griechischen Industrie sei um 15 Prozent gestiegen, die Erträge der Bauern gehörten zur europäischen Spitzengruppe. Die Bundesregierung wollte sich nicht zu den Vorwürfen äußern.

Deutschland hatte sich in der EU mit seiner Forderung nach harten Auflagen für Hilfen an Griechenland durchgesetzt. Der Ende März beschlossene Hilfsplan verschafft dem hoch verschuldeten Mittelmeeranrainer notfalls Zugang zu Krediten des Internationalen Währungsfonds und bilateralen Krediten der Euroländer.