Schröder für feste Regeln im Umgang mit Missbrauchsfällen

Freitag, 23. April 2010, 14:47 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Zur Vermeidung von Kindesmissbrauch in Schulen und Vereinen hat sich Bundesfamilienministerin Kristina Schröder für verpflichtende Regeln in allen Einrichtungen ausgesprochen.

Künftig müsse auch die Vergabe von Fördermitteln an Selbstverpflichtungserklärungen geknüpft werden, forderte die CDU-Politikerin am Freitag beim ersten Treffen des Runden Tisches gegen Missbrauch in Berlin. Gleichzeitig müsse die Ausbildung in sozialen Berufen beleuchtet und gegebenenfalls geändert werden. Sie sprach sich auch für die Einführung erweiterter Führungszeugnisse aus.

Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger erklärte, auf der Agenda des Runden Tisches müsse stehen, Missbrauchsfälle aufzuarbeiten und rechtspolitische Konsequenzen daraus zu ziehen. Es müsse geprüft werden, ob Verjährungsfristen bei sexuellen Straftaten verlängert werden müssten, sagte auch die Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Christine Bergmann.

Der Runde Tisch wird von Schröder, Leutheusser-Schnarrenberger und Bildungsministerin Annette Schavan geleitet. Es nehmen Vertreter aller gesellschaftlicher Gruppen teil, von Kirchen und Schulen über Kinderschutzverbänden bis hin zu Beratungseinrichtungen für Opfer sexueller Gewalt.

Einige Opferverbände kritisierten am Freitag jedoch, dass sie bei den Gesprächen nicht ausreichend repräsentiert seien. Am Runden Tisch vertreten seien nur vier Organisationen, erklärte der Verein MOGIS, der Missbrauchsbetroffene vertritt. Weitere Opferverbände, die sich um eine Teilnahme bemüht hätten, seien darauf verwiesen worden, dass sie durch die Bundesbeauftragte Bergmann ausreichend vertreten seien.

Der Runde Tisch wurde ins Leben gerufen, nachdem in den vergangenen Wochen zahlreiche Fälle von Missbrauch vor allem in katholischen Schulen und Internaten bekanntgeworden waren. Betroffen sind allerdings auch andere, prominente Einrichtungen wie die Odenwald-Reformschule in Hessen.

Die katholische Kirche wird dafür kritisiert, den Missbrauch jahrzehntelang heruntergespielt und vertuscht zu haben. In Umfragen sehen die Bundesbürger große Defizite, was die Aufarbeitung der Vorkommnisse angeht: In dem am Freitag veröffentlichten ZDF-Politbarometer erklärten lediglich zwölf Prozent der Befragten, dass die katholische Kirche genügend zur Aufklärung unternehme. Dagegen hielten 82 Prozent die Bemühungen für unzureichend. Auch bei den Katholiken sind nur 19 Prozent der Meinung, dass ihre Kirche zur Aufklärung genügend tue. 74 Prozent sehen dagegen Defizite.