Katholiken hoffen nach Ablösung Mixas auf Neuanfang

Sonntag, 9. Mai 2010, 16:12 Uhr
 

Rom/Freiburg (Reuters) - Die deutschen Katholiken haben die Ablösung des unter Missbrauchsverdacht stehenden Augsburger Bischofs Walter Mixa als Schritt zur Klarheit und Chance zu einem Neuanfang begrüßt.

Papst Benedikt XVI. akzeptierte am Samstag das Rücktrittsgesuch Mixas, der nach anfänglich geleugneten Prügel-Vorwürfen um die Entbindung vom Amt gebeten hatte. Zuletzt war zudem der Verdacht publik geworden, der Bischof habe einen Minderjährigen sexuell missbraucht. Hochrangige Katholiken sprachen sich angesichts der Krise der Kirche für eine Debatte über des Pflichtzölibats aus.

"Die Vorgänge der letzten Zeit haben das gesamte Bistum Augsburg und auch die katholische Kirche in Deutschland sehr belastet", erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch. Der dadurch erlittene Verlust der Glaubwürdigkeit wiege schwer. "Die zügige Entscheidung des Papstes schafft die notwendige Klarheit. Sie gibt allen Beteiligten die Chance zum Neuanfang."

Noch am Samstag wählte das Augsburger Domkapitel den Weihbischof Josef Grünwald zum Diözesan-Administrator, der die Bistumsleitung übernehmen soll, bis vom Papst ein neuer Bischof ernannt wird. Grünwald kündigte an, "an der zügigen und besonnenen, klaren und transparenten Aufarbeitung" der Vorwürfe gegen den Bischof mitzuwirken. Nur so könne ein wirklicher Neuanfang gelingen.

Die Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" nahm die Entscheidung des Papstes "mit Erleichterung" zur Kenntnis. "Um den durch das lange Taktieren von Bischof Mixa entstandenen Ansehens- und Glaubwürdigkeitsverlust der katholischen Kirche weit über das Bistum hinaus nicht noch zu vergrößern, bleibt es notwendig, alle Vorwürfe umfassend und möglichst schnell aufzuklären", teilte die Gruppe mit.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick sprach sich im "Spiegel" dafür aus zu überlegen, ob man einfachen Pfarrern die Ehe erlaube. "Ich wäre dafür, dass man ernsthaft darüber nachdenkt", sagte er. Auch in der Kirchenführung werde darüber gesprochen: "Ich bin nicht der Einzige." Das Zölibat gehöre aber zur Kirche und müsse nach seiner Meinung von Bischöfen, Ordensleuten und Domkapitularen gelebt werden. Laut dem ehemaligen Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, ist derzeit zwar der falsche Zeitpunkt für eine Debatte über den Pflichtzölibat. Er glaube aber, dass der Papst längst über das Thema nachdenke, sagte Lehmann im ZDF.

"SPIEGEL": NEUE VORWÜRFE GEGEN MIXA

Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt hatte am Freitag bestätigt, dass sie Vorermittlungen gegen Mixa eingeleitet habe. Medienberichten zufolge ging es um den Vorwurf, Mixa habe als Eichstätter Bischof einen Jungen missbraucht. Der Anwalt des Bischofs wies die Anschuldigungen zurück. Das Bistum Augsburg erklärte, es habe die Vorwürfe dem Generalstaatsanwalt in München selbst zur Kenntnis gebracht. Zollitsch bezeichnete dies "in Übereinstimmung mit den Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz" ausdrücklich als richtig.

Laut "Spiegel" soll Mixa in seiner Zeit als Eichstätter Bischof häufig junge Seminaristen in seine Privaträume im Bischofshaus eingeladen und mit ihnen gemeinsame Saunabesuche unternommen haben. Dem Kleriker seien homosexuelle Neigungen nachgesagt worden, hieß es in dem Bericht unter Berufung auf Kirchenkreise weiter. Dem Magazin zufolge wies sein Anwalt die Vorwürfe "mit aller Entschiedenheit" zurück. Mixa war von 1996 bis 2005 Bischof von Eichstätt, danach wurde er Bischof in Augsburg.

Im April hatte Mixa nach anfänglichem Leugnen zugegeben, als Stadtpfarrer von Schrobenhausen Kinder geschlagen zu haben. Während der Kirchenmann von Ohrfeigen oder "Watschen" sprach, werfen ihm ehemalige Heimkinder vor, er habe sie teilweise mit voller Wucht ins Gesicht geschlagen. Der strikte Abtreibungsgegner stand wegen seiner sehr konservativen Ansichten häufig in der politischen Kritik.

 
<p>Pope Benedict XVI waves to the crowd gathered below in Saint Peter's square during his weekly Angelus blessing at the Vatican May 9, 2010. REUTERS/Stefano Rellandini</p>