Bundeswehr-General will deutsche Kampfjets gegen Taliban
Berlin/Kabul (Reuters) - Ein hochrangiger Bundeswehr-Kommandeur hat den Einsatz deutscher Kampfjets gegen die radikal-islamischen Taliban in Afghanistan gefordert.
"Warum sollen deutsche Soldaten am Boden nicht von deutschen Flugzeugen aus der Luft unterstützt werden können?", fragte der Kommandeur der internationalen Truppen in Nordafghanistan, General Frank Leidenberger, in der "Rheinischen Post" vom Donnerstag. Er verwies darauf, dass Deutschland bereits Aufklärungsjets nach Afghanistan verlegt habe, nachdem sich die Lage dort verändert hatte. "So wie sich inzwischen der Charakter dieses Einsatzes verändert hat, so sollten wir auch die hierfür notwendigen Fähigkeiten bereitstellen, um erfolgreich zu sein", sagte Leidenberger.
Die Grünen kritisierten Leidenbergers Forderung nach dem Einsatz von Kampfjets gegen Taliban. "Ich verstehe seinen Vorstoß überhaupt nicht", sagte Verteidigungsexperte Omid Nouripour der Nachrichtenagentur Reuters. Die USA verfügten im Norden über alle Fähigkeiten, die nötig seien. "Zusätzliche Jets würden Mittel binden, die wir anderswo dringend brauchen."
Unter dem Mandat der Nato-Truppe Isaf wäre der Kampfjet-Einsatz dem Kommandeur zufolge gestattet. Bisher ist die Bundeswehr zur Luftunterstützung auf die Nato-Partner angewiesen. Vor allem die USA eilen den deutschen Truppen immer wieder mit Kampfflugzeugen und Hubschraubern zur Hilfe. Auch der umstrittene Beschuss zweier Tanklaster nahe Kundus im September, bei dem Dutzende Zivilisten umkamen, wurde im Auftrag der Bundeswehr durch US-Kampfjets geflogen. Die Bundeswehr selbst hat seit 2007 sechs Tornado-Jets in ihrem Hauptquartier im nordafghanischen Masar-i-Scharif stationiert. Die sogenannten Recce-Tornados liefern der Isaf Aufklärungsbilder aus ganz Afghanistan und sind lediglich mit zwei Bordkanonen zum Eigenschutz bewaffnet.
Anders als die USA will Großbritannien keine zusätzlichen Soldaten nach Afghanistan schicken. Premierminister David Cameron sagte bei einem Besuch in der Hauptstadt Kabul, er werde das britische Kontingent von 9500 Soldaten nicht aufstocken. "Niemand will, dass die britischen Truppen auch nur einen Tag länger als unbedingt notwendig bleiben." Er unterstütze jedoch die Strategie der USA, die mit der Entsendung von 30.000 zusätzlichen Soldaten die Wende im Krieg am Hindukusch schaffen wollen, bevor sie mit einem Abzug beginnen. 2010 werde ein entscheidendes Jahr, so Cameron. Jetzt müssten Fortschritte her - sowohl für das afghanische Volk wie für die Menschen in der Heimat.
Ein Anschlag auf eine Hochzeitsgesellschaft mit vierzig Toten in der Taliban-Hochburg Kandahar am Mittwochabend belegte, wie labil die Sicherheitslage vor Ort weiter ist. Viele Gäste standen in Verbindung zu Behörden, die mit den westlichen Soldaten zusammenarbeiten.
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