Mehr Arbeitslose wegen Ferienzeit - Trend bleibt positiv

Donnerstag, 29. Juli 2010, 11:49 Uhr
 

Nürnberg (Reuters) - Der deutsche Arbeitsmarkt zeigt sich auch im Sommer robust und profitiert vom Aufschwung.

Wie in der Ferienzeit üblich stieg die Zahl der Erwerbslosen im Juli allerdings leicht auf 3,19 Millionen. "Die deutsche Wirtschaft ist auf Erholungskurs, die Lage auf dem Arbeitsmarkt hat sich weiter verbessert", sagte der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, am Donnerstag in Nürnberg bei der Vorstellung der zahlen. Arbeitsministerium Ursula von der Leyen sprach von "guten Gründen, mit Optimismus in den Herbst zu gehen". Für September und Oktober erwarten viele Experten, dass die Zahl der Arbeitslosen wieder unter die Marke von drei Millionen fällt.

Im Juli waren rund 39.000 Menschen mehr erwerbslos gemeldet als im Vormonat, aber 271.000 weniger als vor einem Jahr. Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit im Juli ist üblich, da sich im Sommer viele Jugendliche nach Abschluss einer betrieblichen oder schulischen Ausbildung vorübergehend arbeitslos melden. Hinzu kommen urlaubs- und quartalsbedingte Kündigungen. Zudem stellen viele Arbeitgeber in der Urlaubszeit keine Mitarbeiter ein. Um diese jahreszeitlichen Schwankungen bereinigt sank die Zahl der Arbeitslosen wie von Experten erwartet um 20.000. Dies seien ermutigende Signale, die aber wegen der Konjunktur-Risiken nicht zu Übermut führen dürften, warnte von der Leyen. "Wir dürfen nicht den Fehler machen, die Krise mit ihren Folgen für den Arbeitsmarkt für beendet zu erklären", mahnte die CDU-Ministerin.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) rechnet mit einem nachhaltigen Abbau der Arbeitslosigkeit und hatte schon am Vortag erklärt, er halte mittelfristig sogar Vollbeschäftigung für möglich. Darunter verstehen Experten eine Arbeitslosenquote von unter vier Prozent. Im Juli lag die Rate aber noch bei 7,6 (Juni: 7,5) Prozent.

BESCHÄFTIGUNG NÄHERT SICH REKORD-NIVEAU

Experten bezeichneten die Daten als Beleg für die robuste Konjunktur. "Der Arbeitsmarkt bleibt auch in den kommenden Monaten stabil, weil die Auftragsbestände noch vorhanden sind", sagte DekaBank-Analyst Peter Leonhardt. "Es kann aber passieren, dass im kommenden Jahr die Arbeitslosigkeit wieder etwas ansteigen wird, wenn die Konjunkturprogramme auslaufen."

Noch lässt der Aufschwung aber nicht nur die Arbeitslosigkeit tendenziell sinken, sondern schiebt auch die Beschäftigung an. Im Juni stieg die Zahl der Erwerbstätigen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes auf rund 40,3 Millionen. "Seit der Wiedervereinigung wurden in einem Juni noch nie so viele Erwerbstätige gezählt", hieß es. Damit rückt die im Oktober 2008 erreichte Rekord-Beschäftigung von knapp 40,8 Millionen in Reichweite. Zudem verliert die Kurzarbeit im Aufschwung weiter an Bedeutung. Im Mai sank die Zahl der Kurzarbeiter im Vergleich zum Vormonat um gut 100.000 auf 481.000.

 
<p>A man walks in front of a job centre in Berlin, October 30, 2008. REUTERS/Fabrizio Bensch</p>