Streit über Papst-Rede im Bundestag

Freitag, 17. Dezember 2010, 07:39 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die geplante Rede von Papst Benedikt XVI. während seines Deutschland-Besuchs im kommenden Jahr sorgt für Streit unter den Parteien.

Die Grünen meldeten am Donnerstag Vorbehalte gegen den Auftritt Benedikts im Parlament an und ernteten dafür wiederum Kritik aus der CSU. Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck erklärte, der Papst sei in erster Linie Kirchenoberhaupt und erst dann Staatsoberhaupt. Im Sinne der religiösen Vielfalt stelle sich die Frage, welche anderen Religionsgemeinschaften in den Bundestag eingeladen werden müssten.

Die CSU warf Beck vor, Opposition um der Opposition willen zu betreiben. "Das ist typisch Grün: Einfach mal wieder nur dagegen", erklärte die stellvertretende CSU-Generalsekretärin Dorothee Bär. Die Papst-Rede im Bundestag sei ein herausragendes Ereignis. "Da sollten gerade die Grünen gut zuhören", erklärte Bär. Die Grünen forderten von anderen immer Toleranz, hielten sich selbst aber nicht daran.

Bundestagspräsident Norbert Lammert informierte am Donnerstag den Ältestenrat über das Interesse des deutschen Papstes, im Parlament zu sprechen. Das Kirchenoberhaupt wird voraussichtlich im September nach Deutschland reisen. Neben Berlin will er die Bistümer Erfurt und Freiburg besuchen.

Es ist der erste offizielle Besuch des Papstes in Deutschland. Zwar war Joseph Ratzinger seit seiner Wahl zum Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche schon zweimal in seinem Heimatland, diese Besuche hatte er aber als pastoral oder privat bezeichnet. So kam er nur wenige Monate nach seiner Wahl im August 2005 zum Weltjugendtag nach Köln, wo er begeistert gefeiert wurde. Im September 2006 besuchte er Bayern.