Weitere Schummelvorwürfe belasten Guttenberg

Donnerstag, 17. Februar 2011, 19:21 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Gegen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sind weitere Plagiatsvorwürfe laut geworden.

"Spiegel online" und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichteten am Donnerstag über neue Textpassagen, die der Minister in seiner Dissertation von anderen Autoren abgeschrieben und nicht korrekt zitiert haben soll. Die Vorwürfe könnten nach Einschätzung von Meinungsforschern für Guttenberg gefährlicher werden als alle bisherigen Anschuldigungen. Guttenberg selbst besuchte die deutschen Truppen in Afghanistan und verbrachte die Nacht an ihrem gefährlichsten Einsatzort, einem Außenposten bei Kundus. Am Donnerstagabend sollte der Minister ursprünglich an einer Wahlkampfveranstaltung in Sachsen-Anhalt teilnehmen. Er sagte aber kurzfristig ab.

Die Universität Bayreuth, wo Guttenberg promovierte, forderte den Minister auf, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen, und setzte ihm eine Frist. "Wir erwarten eine schriftliche Äußerung von Herrn zu Guttenberg innerhalb von zwei Wochen", sagte der Präsident der Universität, Rüdiger Bormann, Reuters TV. Dann werde die Prüfungskommission die Aussagen bewerten und über das weitere Vorgehen entscheiden. Bisher habe er keinerlei Hinweise darauf, dass das Promotionsverfahren nicht ordnungsgemäß durchgeführt worden sei.

Die Universität wollte sich nicht dazu äußern, wie lange die Prüfung der Anschuldigung dauern wird. Guttenberg selbst und sein Doktorvater, der emeritierte Verfassungsrechtler Peter Häberle, hatten die Vorwürfe bereits am Vortag zurückgewiesen. Der Minister will jedoch prüfen, ob er bei den mehr als 1200 Fußnoten seiner 475-Seiten-Arbeit Fehler gemacht hat.

ZITIERTE JOURNALISTIN FORDERT ENTSCHULDIGUNG DES MINISTERS

"Spiegel online" berichtete, Guttenberg habe über die bisher bekannten Textpassagen hinaus Teile aus einem Vortrag des CDU-Europaabgeordneten Andreas Schwab und aus einer Rede des Verfassungsjuristen Gerhard Casper übernommen. Beide Autoren seien nicht korrekt ausgewiesen worden. Zudem finde sich in der Dissertation eine Textpassage sowie eine Fußnote, die so bereits in einem Aufsatz des ehemaligen Verteidigungsministers Rupert Scholz nachzulesen seien. Auch hier fehle ein korrekter Verweis.

Die Schweizer Journalistin Klara Obermüller, von der ein Teil der schon am Vortag beanstandeten Passagen stammt, sprach vom Diebstahl geistigen Eigentums und forderte in der "Welt" eine Entschuldigung Guttenbergs. "Kläglicher als das Abschreiben finde ich die Art, wie er bisher zu verharmlosen und sich herauszureden versucht hat", sagte sie.

Die Affäre könnte nach Einschätzung von Meinungsforschern brenzlig für Guttenberg werden. "Die wichtigste Politikereigenschaft ist das Vertrauen. Wer das verspielt, hat ein Problem", sagte der Chef des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid, Klaus-Peter Schöppner, der Nachrichtenagentur Reuters. "Das erste Mal kann dem Verteidigungsminister etwas wirklich schaden", sagte Manfred Güllner vom Meinungsforschungsinstitut Forsa. "Hier geht es nicht um eine Bundeswehr-Affäre, bei der Guttenberg in der Bevölkerung eigentlich keine direkte Schuld gegeben wird." Ähnlich äußerte sich der Unions-Experte Gerd Langguth: "Sein persönlicher Charme beruht auf Glaubwürdigkeit." Entscheidend sei nun, wie Guttenberg die Vorwürfe aufkläre.

TRITTIN: GUTTENBERG SOLLTE VORWÜRFE NICHT VERHARMLOSEN

Die Opposition legte bei ihrer Kritik an Guttenberg nach: Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Jürgen Trittin verhöhnte den Minister als "Dr. Googleberg" und forderte ihn auf, umgehend Stellung zu den Vorwürfen zu beziehen. Ein vorsätzliches Plagiat könnte Guttenberg "nicht als Schummeln verniedlichen", sagte Trittin der Hamburger "Morgenpost" (Freitagausgabe). Klar sei, dass die Affäre die Glaubwürdigkeit des "medialen Produkts Guttenberg massiv ankratzt".

Der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold hält Guttenberg als Verteidigungsminister für ungeeignet, sollte ihm der Doktortitel wegen der Plagiatsvorwürfe aberkannt werden. Guttenbergs Glaubwürdigkeit wäre dann völlig zerstört, sagte er der "Mitteldeutschen Zeitung". In der Bundeswehr, wo es in hohem Maße auf Vertrauen ankomme, sei dies möglicherweise noch schwerwiegender als in anderen Ressorts. Auch die Linkspartei-Chefin Gesine Lötzsch forderte Guttenbergs Rücktritt, falls sich die Vorwürfe bestätigen sollten. "Wem der Doktortitel aberkannt wird, der ist auch als Minister nicht mehr haltbar", sagte sie dem Fernsehsender N24.

 
<p>A copy of the dissertation of German Defence Minister Karl-Theodor zu Guttenberg is displayed by staff of Berlin's Humboldt university jurisprudence library February 16, 2011. German media reported February 16, 2011, that law professor Andreas Fischer-Lescano has accused German Defence Minister Karl-Theodor zu Guttenberg of plagiarising parts of his dissertation from various authors, for his doctorate of law. Fischer-Lescano said that Guttenbergs dissertation contains several parts of foreign text that are not referenced. REUTERS/Fabrizio Bensch (GERMANY - Tags: POLITICS)</p>