Biosprit-Preissenkung soll skeptische Autofahrer überzeugen

Samstag, 19. März 2011, 14:10 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die Mineralölwirtschaft senkt an einigen Tankstellen testweise die Preise für E10, um skeptische Autofahrer vom neuen Biosprit zu überzeugen.

"Wir haben uns auf dem Benzingipfel zwar verpflichtet, alles zu tun, um die Akzeptanz für E10 zu steigern, aber leider hatten wir mit unserer Aufklärungsarbeit keinen Erfolg", sagte eine Esso-Sprecherin der "Bild"-Zeitung vom Samstag. "Jetzt senken wir an manchen Tankstellen testweise die Preise für E10." Der Auto Club Europa reagierte verärgert. "Tankkunden werden als Testobjekte missbraucht", sagte ein ACE-Sprecher der Zeitung. "Man will sehen, wo ihre Schmerzgrenze liegt. Diese Methode ist sittenwidrig."

Vor knapp zwei Wochen hatten sich Bundesregierung, Wirtschaft und Verbände beim einem Benzingipfel darauf geeinigt, die Verbraucher besser über den neuen Kraftstoff zu informieren und gemeinsam E10 an der Zapfsäule durchzusetzen. Die neue Spritsorte hat einen Anteil von bis zu zehn Prozent Bioethanol. Die Mineralölwirtschaft ist verpflichtet, dieses Jahr 6,25 Prozent an Biosprit mit dem herkömmlichen Treibstoff zu verkaufen. Die Motoren von knapp zehn Prozent der Autos auf deutschen Straßen vertragen die Sorte aber nicht. Aus Verunsicherung tanken viele Autofahrer den neuen Kraftstoff nicht, weshalb der übrige Super-Kraftstoff knapp wird.

Und die Skepsis der Verbraucher bleibt groß: Etwa 85 Prozent lehnen den Biokraftstoff kategorisch ab, wie der "Spiegel" unter Berufung auf eine Umfrage des Automobilclubs ADAC berichtete. Es zeige sich, dass sowohl die Hersteller als auch die Ölkonzerne es versäumt hätten, den Autofahrer umfassend auf den neuen Sprit vorzubereiten, erklärte der ADAC demnach. Der von der Regierung einberufene "Benzingipfel" sei wirkungslos verpufft.