SPD bereitet Steinbrück eine Parteitagsbühne

Montag, 29. August 2011, 15:53 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die SPD-Spitze will dem als Anwärter auf die Kanzlerkandidatur gehandelten Ex-Finanzminister Peer Steinbrück einen prominenten Rednerplatz auf ihrem Bundesparteitag einräumen.

Parteichef Sigmar Gabriel kündigte am Montag an, Steinbrück werde den Leitantrag des Parteivorstandes zum Thema Wirtschaft und Finanzen einbringen. Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier werde auf dem Parteitag zum Leitantrag zu Europa sprechen. Dies habe das Präsidium am Montag beschlossen. Er halte es für "ziemlichen Unfug", was in den Medien in Steinbrücks Auftritt hineininterpretiert werde. Die "Bild am Sonntag" hatte ein ungenanntes Präsidiumsmitglied mit den Worten zitiert, auf dem Parteitag falle eine Vorentscheidung für die Kanzlerkandidatur: "Danach wissen die drei, wer bei den Mitgliedern vorne liegt."

Einem Votum der Delegierten des Parteitages vom 4. bis 6. Dezember in Berlin stellt sich nur Gabriel. Nach zwei Jahren im Amt steht seine Bestätigung als Parteichef an. Über die Kanzlerkandidatur 2013 will die SPD erklärtermaßen erst Ende nächsten Jahres entscheiden. Die SPD will in der europäischen Schuldenkrise rund um den Euro von der Erfahrung und dem Ansehen Steinbrücks profitieren, der in der SPD keine Parteiämter mehr bekleidet, sondern einfaches Mitglied des Bundestages ist. Bereits vor der Sommerpause hatten sich Gabriel und Steinmeier für einen Presseauftritt zur Euro-Krise der Teilnahme Steinbrücks versichert.

Der baden-württembergische SPD-Chef Nils Schmid sprach sich erneut für Steinbrück als Kanzlerkandidat aus. "Wenn Peer Steinbrück Kanzlerkandidat würde, wäre das eine gute Lösung für die SPD", sagte Schmid dem "Spiegel". Er könne weit über die SPD hinaus mobilisieren. "Die Möglichkeit, einen Wahlkampf nach dem Motto zu machen 'Auf den Kanzler kommt es an', wäre mit Peer Steinbrück besonders groß", sagte Schmid. Auch der SPD-Haushälter Hans-Peter Bartels sagte dem Blatt: "Die Kanzlerkandidatur 2013 kann nur auf Peer Steinbrück zulaufen."

Bereits im Oktober dürfte Steinbrück ein großer Bahnhof bereitet werden: Er stellt dann mit Altkanzler Helmut Schmidt das gemeinsam verfasste Buch "Zug um Zug" vor.