Studie: Gaspreis steigt bis 2014 kräftig und bricht dann ein

Dienstag, 8. November 2011, 15:49 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Der Gaspreis wird in Europa einer Studie zufolge in den kommenden Jahren deutlich steigen.

Bis 2014 sei mit Steigerungen bis zu 40 Prozent zu rechnen, sagte die Unternehmensberatung A.T. Kearney in einer am Dienstag veröffentlichten Studie voraus. 2015 werde dann allerdings zum Wendejahr, und die Preise im Großhandel würden bis zu 60 Prozent einbrechen. Es sei mit Überkapazitäten zu rechnen, die sich auch auf die Auslastung neu gebauter und geplanter Pipelines aus Russland und dem kaspischen Raum auswirken werde. Auch die Ostseepipeline werde wohl kaum zusätzliche Gasmengen transportieren, sondern sei auch eine Alternativroute zu existierenden Verbindungen wie durch die Ukraine. Russlands Präsident Dmitri Medwedew und Kanzlerin Angela Merkel weihten die Leitung am Dienstag ein.

Steigende Nachfrage nach Gas auch im Zuge der Reaktorkatastrophe von Fukushima treibe den Preis des Brennstoffs bis 2014 nach oben, heißt es in der Studie. Besonders betroffen seien Industrie- und Gewerbekunden. Die hatten zuletzt auch stärker von niedrigeren Tarifen profitiert als Haushaltskunden. Die nach der Finanzkrise wieder angezogene Konjunktur sowie versiegende Förderquellen in Europa werde die Importe steigen lassen, sagte A.T. Kearney voraus. Eine größere Rolle wird der Untersuchung zufolge dabei Flüssiggas spielen, das mit Tankern vor allem aus dem arabischen Raum eingeführt wird. Dieses Gas war zuletzt deutlich billiger als etwa Gas, was mit langfristigen Verträgen aus Russland importiert wird. Diese Verträge sehen zudem eine Koppelung an den zuletzt deutlich gestiegenen Ölpreis vor, was für Unternehmen wie E.ON Ruhrgas zum Problem wurde.

A.T. Kearney geht zwar davon aus, dass der Gasverbrauch in Europa jährlich um 0,4 Prozent steigen wird. Dies bedeute wohl bis 2020 ein Importplus von 26 Prozent. Dies sei jedoch weit weniger als Prognosen aus den vergangenen Jahren prophezeit hatten, wo von einer Verdopplung ausgegangen sei. Da Leitungen und Flüssiggasterminals derzeit massiv ausgebaut würden, zeichneten sich bereits Überkapazitäten ab. Ab 2015 entstehe so eine "Gasblase", die massiv auf die Preise drücken werde. Dazu trage auch bei, dass gerade in Europa zunehmend erneuerbare Energien als Alternative zum Gas genutzt würden.

Weltweit werde die Nachfrage nach Gas deutlich stärker ausfallen als in Europa. China erschließe aber zunehmend eigene Quellen im In- und Ausland und setze dabei auch auf das sogenannte Schiefergas. Dabei wird Gas unter Einsatz von Druck und Chemikalien aus Gesteinsschichten herausgepresst. Diese Verfahren hatte bereits in den vergangenen Jahren die Gasförderung kräftig erhöht.