Bundestagspräsident warnt von Antisemitismus in Deutschland
Berlin (Reuters) - Bundestagspräsident Norbert Lammert hat vor dem Hintergrund der Mordserie von Neonazis vor Antisemitismus in Deutschland gewarnt.
In Deutschland müssten alle Menschen frei und ohne Angst leben können, sagte Lammert am Freitag im Bundestag anlässlich des Gedenktages des Völkermordes des Nazi-Regimes an Juden. "Die vergangenen Wochen und Monate mit der Aufdeckung einer beispiellosen Mordserie haben uns allerdings wieder vor Augen geführt, dass wir dieses Ziel noch nicht erreicht haben." Er verwies auf einen Expertenbericht, nach dem 20 Prozent der Deutschen latent antisemitisch sind. "Das ist für Deutschland genau 20 Prozent zu viel", sagte Lammert.
Lammert hob jene Bürger hervor, die sich den Neonazis und rechten Extremisten entgegenstellten. "Das sind Menschen, die den Rechtsextremen, die durch ihre Städte marschieren wollen, immer wieder entgegentreten und zeigen 'wir dulden eure Diffamierungen, euren Hass nicht'." Diesen Bürger seien couragiert und beispielhaft.
Am Donnerstag hatte der Bundestag einen Untersuchungsausschuss zur Aufklärung der Ermittlungspannen bei der Zwickauer Neonazi-Zelle eingesetzt. Geklärt werden soll vor allem die Frage, warum die Gruppe so lange unerkannt schwerste Straftaten begehen konnte. Der Neonazi-Gruppe werden Morde an neun Einwanderern und einer Polizistin zur Last gelegt.
Lammert dankte "zutiefst" dem Holocaust-Überlebenden und Ehrengast der Gedenkstunde des Bundestags Marcel Reich-Ranicki dafür, dass er mit Deutschland nicht nur die menschenverachtende Seite verbinde. Der 91 Jahre alte Publizist schilderte in bewegenden Worten wie er als Protokollant 1942 miterlebte, wie die SS die Deportation der Juden im Warschauer Ghetto anordnete. In dem von einer Mauer umgebenen Bereich Warschaus wurden bis zu 500.000 Juden verschleppt. Nur wenige Tausend überlebten. Insgesamt wurden rund sechs Millionen Juden während des Zweiten Weltkriegs auf Anordnung des Nazi-Regimes getötet.
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