Merkel: Integration ist mehr als Sprachkenntnisse

Dienstag, 31. Januar 2012, 18:24 Uhr
 

Berlin (Reuters) - In Deutschland soll es nach dem Willen der Bundesregierung bald deutlich mehr Polizisten, Lehrer, Feuerwehrleute und Finanzbeamte mit ausländischen Wurzeln geben.

Das ist eines der wesentlichen Ziele des "Nationalen Aktionsplans Integration", den der 5. Integrationsgipfel von Migrantenverbänden, Politik und Wirtschaft am Dienstag im Kanzleramt beschloss.

"Integration ist weit mehr, als nur das Sprache-Erlernen", sagte Kanzlerin Angela Merkel, so wichtig dies auch sei. So wolle man den Anteil der Beschäftigten mit Migrationshintergrund im öffentlichen Dienst, der momentan bei knapp zehn Prozent liegt, kräftig erhöhen. "Wie können wir Angebote machen, wie können wir werben, wie können wir Menschen ermutigen", lauteten die Fragen. Die Kanzlerin unterstrich, eine bessere Integration von Bürgern mit ausländischen Wurzeln nütze auch Deutschland als Ganzem.

"Wir müssen verbindlicher werden, wir müssen klarer werden", beschrieb Merkel den Stand der Integrationsdiskussion. Es müsse in allen Bereichen dauerhafte Angebote und Anstrengungen geben, um die Teilhabe von Migranten in der Gesellschaft weiter voranzubringen. Diese Qualitätsstufe komme im neuen Aktionsplan zum Ausdruck, der elf Tätigkeitsfelder umfasst.

In dem Plan geht es im Kern um konkrete messbare Ziele in der Integration vor allem bei Sprache, Bildung und Ausbildung sowie Arbeitsmarkt. Zum 5. Integrationsgipfel hatte Merkel rund 120 Vertreter von Politik, Wirtschaft und Verbänden ins Kanzleramt geladen. Das nächste Treffen ist für das erste Halbjahr 2013 geplant.

Die Integrationsbeauftragte der Regierung, Maria Böhmer, betonte, dass zu den Bedingungen für eine Ausbildung oder Einstellung im öffentlichen Dienst, auch als Beamter, "nicht in jedem Fall" eine deutsche Staatsangehörigkeit des Bewerbers zählt. Neben den Kriterien Eignung, Leistung und Befähigung seien "interkulturelle Kompetenz" und Sprachkenntnisse Pfunde, mit denen Migranten wuchern könnten. Einer Festlegung von Quoten für Migranten im öffentlichen Dienst kann die Kanzlerin allerdings, wie sie selbst deutlich machte, wenig abgewinnen.

Ali Ertan Toprak von der Alevitischen Gemeinde in Deutschland unterstrich, wenn es um Migranten im Staatsdienst gehe, müsse das auch für gehobene Positionen gelten. "Es muss zusammenwachsen, was schon lange zusammenlebt", erklärte er. Es dürfe nicht nur um technische Aspekte einer Integration gehen, sondern auch darum, die Herzen der Menschen zu erreichen. Viele Migranten seien bereit, sich umfassend auf allen Ebenen in Deutschland zu beteiligen und auch Verantwortung zu übernehmen. Im Übrigen sei die Nutzung der Potenziale der Integration auch wichtig für Deutschlands künftige wirtschaftliche Stärke.

 
<p>German Chancellor Angela Merkel (background C) opens an integration summit at the Chancellery in Berlin, January 31, 2012. REUTERS/Thomas Peter (GERMANY - Tags: POLITICS)</p>