Weiterer mutmaßlicher Neonazi-Helfer festgenommen

Mittwoch, 1. Februar 2012, 17:21 Uhr
 

Karlsruhe (Reuters) - Die Bundesanwaltschaft hat am Mittwoch einen weiteren mutmaßlichen Helfer der Zwickauer Neonazi-Zelle festnehmen lassen.

Beamte der Polizei-Spezialeinheit GSG 9 hätten den 31-jährigen Carsten S. am Mittwoch morgen in Düsseldorf verhaftet, teilte die oberste deutsche Anklagebehörde in Karlsruhe mit. Er werde dringend verdächtigt, der rechtsextremen Gruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) bei sechs Morden und einem versuchten Mord geholfen zu haben. Am Nachmittag wurde der Beschuldigte per Hubschrauber nach Karlsruhe gebracht, wo er dem Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof vorgeführt wurde.

S. war den Ermittlern zufolge zwischen 1999 und 2000 in der rechtsextremen Kameradschaft Thüringer Heimatschutz aktiv und hatte bis 2003 Kontakte in rechtsextreme Kreise. Er sei dringend verdächtig, 2002 oder 2003 zusammen mit dem in Untersuchungshaft sitzenden Ralf W. eine Schusswaffe nebst Munition für die Zwickauer Neonazi-Gruppe beschafft zu haben, hieß es. Angesichts seiner engen persönlichen und ideologischen Bindung zu den Mitgliedern der Gruppierung Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt habe er die Verwendung der Waffe bei rechtsextrem motivierten Morden billigend in Kauf genommen. Unklar sei noch, ob die Waffe tatsächlich für einen der Morde eingesetzt wurde.

Die Zwickauer Zelle hatte nach Erkenntnissen der Ermittler über Jahre hinweg neun Einwanderer und eine Polizistin ermordet. Der rechtsextremistische Hintergrund der Mordserie war jedoch erst nach zehn Jahren und nur durch Zufall entdeckt worden, als Anfang November zwei Mitglieder der Zelle in einem Wohnmobil in Eisenach Selbstmord begingen und später in ihrer Zwickauer Wohnung die Tatwaffen und ein Bekenner-Video entdeckt wurden. Als Konsequenz aus den Ermittlungspannen in dem Fall hat der Bundestag am Donnerstag einen Untersuchungsausschuss eingesetzt.

S. SOLL GRUPPE NACH ABTAUCHEN MITFINANZIERT HABEN

S. habe die Gruppe in der Zeit ihres Abtauchens 1998 finanziell unterstützt, erklärte die Bundesanwaltschaft weiter. Zeitweilig sei er der Einzige aus dem rechtsextrem Umfeld des NSU gewesen, der Kontakt zu dem Trio gehabt habe.

Außer S. sitzen noch vier weitere mutmaßliche Unterstützer der Gruppe in Untersuchungshaft. Darunter ist auch der ehemalige Landesvorsitzende und Pressesprecher der NPD Thüringen, Ralf W., dem wegen der Beschaffung der Waffe ebenfalls Beihilfe zum Mord vorgeworfen wird. Die Bundesanwaltschaft hatte erst vor einer Woche Wohnungen und Geschäftsräume vier mutmaßlicher Unterstützer in Sachsen, Thüringen und Baden-Württemberg durchsucht.