Kretschmann mahnt Merkel zu mehr Tempo in der Energiewende

Sonntag, 19. Februar 2012, 10:35 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann wirft der Bundesregierung vor, die Energiewende zu verschleppen.

"Wir bekommen ernsthafte Zeitprobleme", sagte Kretschmann in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Der Umbau der Stromversorgung werde durch fehlenden Netzausbau, fehlende Regelenergie und fehlende Speicherkapazitäten gebremst. Zur Beschleunigung der Energiewende schlug der Grünen-Politiker vor, ein Ministerium zu schaffen, in dem die energiepolitischen Kompetenzen gebündelt werden. Zudem forderte Kretschmann mehr Initiative von Bundeskanzlerin Angela Merkel: "So etwas muss Chefsache sein."

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hatte vor kurzem ein Zehn-Punkte-Papier vorgelegt, das ähnliche Schritte anmahnt. "Die Fäden der zahlreichen Einzelmaßnahmen der Energiewende müssen in einer Hand zusammenlaufen", heißt es darin. "Möglichst sofort" solle ein Projektmanager für das Großvorhaben benannt werden. Vor dem DIHK hatte schon der Industrieverband BDI ein Kontrollzentrum für die Energiewende gefordert.

Mit Blick auf die Suche nach einem geeigneten Standort für ein Atommüllendlager hält Kretschmann es für äußerst unwahrscheinlich, dass die Wahl am Ende wieder auf Gorleben fällt. Die Atommüll-Frage müsse in einem transparenten Prozess auf wissenschaftlichen Grundlagen und im nationalen Konsens beantwortet werden, sagte er der Zeitung.