Linke will Nazi-Jägerin Klarsfeld als Bundespräsidentin

Mittwoch, 22. Februar 2012, 16:21 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die Linkspartei will die Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld als Kandidatin für die Wahl des Bundespräsidenten gewinnen.

Es gebe Gespräche mit der 73-Jährigen, hieß es am Mittwoch in Parteikreisen. Es sei nicht ausgeschlossen, dass Klarsfeld gegen den ehemaligen DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck antreten werde, der von Union, FDP, SPD und Grünen zum Nachfolgekandidaten für den zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff nominiert wurde.

Damit bestätigten die Parteikreise einen Bericht von "Spiegel Online", nach dem Parteichefin Gesine Lötzsch bereits mit Klarsfeld telefoniert haben soll. Der Sprecher der Bundestagsfraktion, Hendrik Thalheim, wollte keinen Kommentar abgeben. Eine Entscheidung über einen eigenen Kandidaten strebt der Parteivorstand bei einer Tagung mit Vertretern aus den Ländern für diesen Donnerstag an.

Klarsfeld wurde über die Grenzen Deutschlands bekannt, als sie den damaligen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger 1968 ohrfeigte. Die Journalistin wollte damit auf die Nazi-Vergangenheit des Kanzlers hinweisen. Klarsfeld hatte sich dafür engagiert, die nationalsozialistische Vergangenheit westdeutscher Politiker aufzudecken, und war deswegen auch wiederholt mit der Justiz in Konflikt geraten.

 
Nazi hunter Beate Klarsfeld poses for the media at the exhibition "Sonderzuege in den Tod - Deportation mit der Deutschen Reichsbahn" (Special trains to death - Deportation with the German Reichsbahn) about the role of the German Reichsbahn railway company during the Nazi era in Berlin January 23, 2008.      REUTERS/Fabrizio Bensch (GERMANY)