IG Metall im Südwesten setzt Arbeitgebern Ultimatum

Donnerstag, 23. Februar 2012, 19:01 Uhr
 

Leinfelden-Echterdingen (Reuters) - Die IG Metall setzt den Arbeitgebern schon vor Beginn der Tarifrunde die Pistole auf die Brust: Bis zum 22. Mai müsse klar sein, ob eine einvernehmlichen Regelung möglich sei, sonst werde die Gewerkschaft zum Streik aufrufen, sagte der baden-württembergische Bezirkschef Jörg Hofmann am Donnerstag in Leinfelden-Echterdingen.

Die Gewerkschaftsmitglieder könnten bis Anfang Juni über einen Arbeitskampf abstimmen, der dann Mitte Juni starten könne. Die Verhandlungen für die bundesweit 3,6 Millionen Beschäftigten der Branche beginnen Anfang März.

Wie in anderen Bezirken auch beschloss die große Tarifkommission in Baden-Württemberg die Anfang Februar vom Gewerkschaftsvorstand empfohlenen Tarifforderungen. Damit will Deutschlands größte Industriegewerkschaft bundesweit einen 6,5-prozentigen Lohnaufschlag durchsetzen und verlangt zudem größere Mitbestimmungsrechte der Betriebsräte beim Einsatz von Leiharbeitern. Ferner sollen die Unternehmen Auszubildende unbefristet übernehmen und nicht nur für ein Jahr wie bisher. Benachteiligte Jugendliche sollen gefördert werden, um ihnen eine Ausbildung zu ermöglichen. Endgültig beschließen soll der Vorstand der IG Metall die Forderung an diesem Freitag in Frankfurt.

Baden-Württemberg ist einer der traditionellen Pilotbezirke, hier geschlossene Tarifverträge wurden schon oft in anderen Regionen übernommen. Zuletzt waren aber auch in anderen Tarifbezirken Abschlüsse mit Modellcharakter vereinbart worden. Diesmal könnte die Gewerkschaft versuchen, Schwerpunkte ihrer Forderungen auf verschiedene Bezirken zu verteilen. Am Ende dürfte sich aber auch diesmal eine Region herausstellen, in der eine Einigung am wahrscheinlichsten ist, erwarten Tarifexperten.

Hofmann betonte, die Gewerkschaft werde ihre Forderungen nicht gegeneinander verrechnen lassen. "Ein Ergebnis wird es nur dann geben, wenn alle unsere Forderungen geregelt sind." Ähnlich äußerten sich die Chefs anderer IG-Metall-Bezirke: "Wir werden dieses Paket nicht aufschnüren. Auch am Ende muss ein Tarifergebnis mit vier Elementen stehen", sagte Hartmut Meine, Verhandlungsführer in Niedersachsen. Zu dem Paket gehöre auch eine Angleichung der Bezahlung von Zeitarbeitskräften an jene der Festangestellten. Die Metaller hatten bereits angekündigt, notfalls auch Leiharbeiter in einen Ausstand einzubeziehen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Die IG Metall verhandelt bereits mit den Zeitarbeitsverbänden IGZ und BAP über Branchenzuschläge. Diese Gespräche laufen parallel zu jenen mit den Metallarbeitgebern über einen neuen Flächentarifvertrag, der die Löhne und Gehälter der Beschäftigten regelt.

GESAMTMETALL FORDERT MEHR FLEXIBILITÄT

Die Arbeitgeber wiesen die Lohnforderung von 6,5 Prozent angesichts unsicherer Wirtschaftsaussichten erneut zurück. Sie halten allenfalls die Hälfte für vertretbar. Für den Fall, dass sich die Leiharbeit verteuern sollte, fordert der Arbeitgeberverband Gesamtmetall einen Ausgleich an anderer Stelle. Dies sei nötig, um die Flexibilität der Unternehmen zu erhalten, betonte Verbandspräsident Martin Kannegiesser. So wäre eine Erhöhung der Quote an Mitarbeitern denkbar, die länger als 35 Stunden arbeiten dürfen. Bisher gilt in der Metall- und Elektroindustrie die 35-Stunden-Woche. Lediglich 18 Prozent einer Belegschaft dürfen bis zu 40 Stunden arbeiten. Damit greifen die Arbeitgeber aus Sicht der Gewerkschaft eine vor Jahren durch Streiks durchgesetzte Errungenschaft an.

Kannegiesser warnte davor, auch sogenannte Einsatzulagen für Leiharbeiter in den Firmen einzuführen. Diese würden in den Betrieben Unfrieden stiften, argumentierte der Gesamtmetall-Chef. "Damit brächte man die Betriebsräte in schwere Interessenkonflikte und neue Unruhe in die Betriebe. Das wäre das genaue Gegenteil dessen, was wir jetzt brauchen und wollen: eine rechtssichere Befriedung des Themas." Die IG Metall will es den Arbeitnehmervertretungen ermöglichen, derartige Zuschläge auf Betriebsebene mit den Geschäftsleitungen auszuhandeln.