Linke kann sich nicht auf Gauck-Gegenkandidat einigen

Donnerstag, 23. Februar 2012, 19:10 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die Linkspartei will einen Gegenkandidaten zu Joachim Gauck ins Rennen um das Bundespräsidenten-Amt schicken, ist aber über die Personalie uneins.

Die Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld sei eine von drei Persönlichkeiten, die sich der Linken als Kandidatin zur Verfügung gestellt hätten, sagte Parteichefin Gesine Lötzsch am Donnerstag. Die anderen beiden seien die Linken-Abgeordnete Luc Jochimsen und der Sozialwissenschaftler Christoph Butterwegge. Eine Entscheidung über den Kandidaten solle am Montag bei einer Sitzung des geschäftsführenden Parteivorstands fallen. Ursprünglich war eine Entscheidung am Donnerstag erwartet worden. Union, SPD, Grüne und FDP haben den früheren DDR-Bürgerrechtler Gauck nominiert.

VORBEHALTE GEGEN NAZI-JÄGERIN KLARSFELD BEI LINKEN

Zunächst schien die 73 Jahre alte Klarsfeld die Favoritin zu sein. In der Debatte seien teilweise Gegensätze zwischen den Vertretern ost- und westdeutscher Landesverbände offenbar geworden, hieß es in Parteikreisen. Vor allem ältere Parteimitglieder hätten sich für Klarsfeld ausgesprochen, hieß es. Jüngere Mitglieder hätten dagegen in dem Armutsforscher Butterwegge ein modernen Kandidaten gesehen, der die Anliegen der Linkspartei besser verkörpere. Eine dritte Gruppe habe schließlich erklärt, Jochimsen sei bereits bei der Bundespräsidentenwahl 2010 eine gute Kandidaten der Linkspartei gewesen. Sie solle nun noch einmal antreten.

Die Tagung der Bundesspitze mit führenden Vertretern aus den Ländern bekräftigte die geschlossene Ablehnung von Gauck. Der frühere Chef der Stasi-Unterlagenbehörde sei gegen die Occupy-Bewegung, erklärte Partei-Chef Klaus Ernst. Außerdem teile er nicht die Haltung der Linken mit Blick auf die Thesen des Ex-Bundesbank-Vorstands Thilo Sarrazin und zum Widerstand gegen die Hartz-IV-Gesetzgebung.