Erstmals seit 20 Jahren wieder mehr Verkehrstote in Deutschland

Freitag, 24. Februar 2012, 15:59 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Erstmals seit 1991 ist die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland wieder gestiegen.

2011 starben 3991 Menschen nach Angaben des Statistische Bundesamt vom Freitag auf Deutschlands Straßen, das waren knapp zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Vor allem Fußgänger und Fahrradfahrer waren in schwere Unfälle verwickelt. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) schlägt Alarm: Der Anstieg der Verkehrstotenzahl um 9,4 Prozent sei höher als befürchtet und dürfe nicht hingenommen werden. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sprach von einer verwilderten Verkehrsmoral.

Die Statistiker nannten die relativ milden Wintermonate, ein warmer und trockener Frühling sowie ein schöner Herbst als Hauptursachen für den Anstieg Unfallopfer-Zahlen. Wegen des schönen Wetters seien mehr Autofahrer unterwegs gewesen, die zudem bei trockenen Straßen mehr aufs Gas gedrückt hätten. Gleichzeitig habe es auch mehr Fußgänger, Motorrad- und Fahrradfahrer ins Freie gezogen.

Der Chef der Polizeigewerkschaft GdP, Bernhard Witthaut, wies diese Erklärung als absurd zurück: "Die Menschen sind doch nicht am Sonnenbrand gestorben. Wir müssen der Leichtsinnigkeit, Rücksichtslosigkeit und Regelwidrigkeit im Straßenverkehr den Kampf ansagen." Die Entwicklung sei Beleg für den Niedergang der guten Sitten im Straßenverkehr. "Rücksichtlose Fahrweisen, Alkohol, überhöhte Geschwindigkeit und die Missachtung von Verkehrsregeln nehmen zu."

Regional gibt es deutliche Unterschiede. In Hamburg fiel die Trendwende in der Verkehrssicherheit am radikalsten aus. In der Hansestadt starben zwölf Menschen nach Verkehrsunfällen. Das entspricht einem Anstieg von 54 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern stieg die Quote um 32,4 Prozent, in Thüringen um 25 Prozent. Das gefährlichste Pflaster für Verkehrsteilnehmer ist Mecklenburg-Vorpommern. Gemessen an der Einwohnerzahl ist dort das Risiko, auf der Straße zu Tode zu kommen, mit 87 Toten auf eine Million Einwohner am größten.

Allerdings stiegen nicht überall die Verkehrstoten-Zahlen. In Rheinland-Pfalz sank die Quote um 6,3 Prozent. Damit liegt das Bundesland in der Statistik am besten. Weniger Unfalltote als im Vorjahr wurden 2011 auch in Baden-Württemberg, Brandenburg und im Saarland registriert.