Steinbrück soll Doppel-Millionär aus Nebeneinkommen sein

Sonntag, 4. November 2012, 14:47 Uhr
 

Berlin (Reuters) - SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück kann die Debatte um seine Nebeneinkünfte nicht abschütteln.

Medienberichten zufolge soll der Sozialdemokrat in den vergangenen Jahren deutlich mehr hinzuverdient haben, als bislang bekannt. Neben den von ihm selbst veröffentlichten Einkünften aus Vortragshonoraren von 1,25 Millionen Euro in dieser Wahlperiode soll er nach Berichten von "Focus" und der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FASZ) in den vergangenen beiden Jahren durch den Verkauf seiner Bücher mindestens eine weitere halbe Million Euro eingestrichen haben. "Focus" bezifferte die Nebeneinkünfte Steinbrücks unter Hinzuberechnung von Aufsichtsratsgeldern und einem Interview in einem Geschäftsbericht eines Baukonzerns sogar auf rund zwei Millionen Euro allein in dieser Wahlperiode.

Die anhaltende Debatte kostet Steinbrück auch Zustimmung in der Wählergunst. Einer Umfrage zufolge verliert er im direkten Duell mit Bundeskanzlerin Angela Merkel deutlich an Boden. Vertreter der Parteilinken äußerten am Wochenende verhalten Kritik an den hohen Einkünften: Es sei schwierig für die SPD, sich mit einer solchen Debatte herumschlagen zu müssen, sagte die Sprecherin der Parteilinken, Hilde Mattheis.

FASZ - KONSERVATIVE BERECHNUNGEN

Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" errechnete Steinbrücks Einnahmen aus dem Verkauf seiner beiden Bücher "Unterm Strich" und "Zug um Zug" und kommt auf mindestens eine halbe Million Euro. "Focus" bezifferte die Einnahmen aus Buchhonoraren sogar auf rund 550.000 Euro. Hinzu kämen 115.000 Euro aus einem Aufsichtsratsmandat bei ThyssenKrupp. Für das abgeschlossene Geschäftsjahr stünden ihm weitere 65.000 Euro zu, berichtet das Magazin unter Berufung auf Unternehmenskreise.

SPD-Chef Sigmar Gabriel verteidigte Steinbrücks Umgang mit seinen Nebeneinkünften. Der Spitzenkandidat habe seine Einnahmen auf "Euro und Cent" dargelegt, sagte der der FASZ. Zugleich verteidigte er Steinbrücks Weigerung, die Buchhonorare zu nennen. Jeder könne bei einem Buchautoren sehen, wofür das Geld überwiesen werde.

Vertreter der Partei-Linken sehen in der anhaltenden Debatte Schaden für die Glaubwürdigkeit der Partei. Ihre Sprecherin Mattheis sagte dem "Focus": "Es geht um hohe Summen. Wenn sich die SPD als Partei der sozialen Gerechtigkeit mit so einer Debatte herumschlagen muss, ist das für uns natürlich schwierig."

Einer Emnid-Umfrage zufolge verliert Steinbrück deutlich an Zustimmung. Laut der Erhebung für "Focus" halten die Bundesbürger Merkel für sympathischer, durchsetzungsfähiger und glaubwürdiger. In der Kanzlerfrage habe Merkel den Abstand zu ihrem Herausforderer gegenüber Ende September deutlich ausgebaut. Zogen damals 46 Prozent Merkel und 37 Prozent Steinbrück als Regierungschef vor, sprachen sich nun 51 Prozent für Merkel und nur 26 Prozent für Steinbrück aus.

STEINBRÜCK SCHALTET ANWALT GEGEN BOCHUMER STADTWERKE EIN

Im Streit mit den Bochumer Stadtwerken um ein 25.000 Euro-Honorar setzt Steinbrück unterdessen auf eine juristische Klärung. Die Behauptung des Stadtwerke-Sprechers, es sei vereinbart worden, dass Steinbrück das Honorar für seinen Auftritt an eine karitative Einrichtung spenden solle, sei falsch, bekräftigte ein SPD-Sprecher am Samstag. Daher sei ein Anwalt beauftragt worden, auch seitens der Stadtwerke für eine entsprechende Klarstellung zu sorgen.

Für seine Teilnahme am "Atriumtalk" der Stadtwerke im November 2011 hatte Steinbrück 25.000 Euro erhalten. Nach Darstellung der Stadtwerke war vereinbart, dass dieses Geld gespendet werden soll, an eine von Steinbrück "zu benennende Stiftung oder karitative Einrichtung". Das Honorar stößt auch auf Kritik, weil es von einem Betrieb in öffentlicher Hand in einer finanzschwachen Kommune gezahlt worden war.

 
Peer Steinbrueck of the German Social Democratic party SPD leaves after a statement to the media in Berlin October 30, 2012. REUTERS/Tobias Schwarz