Bundesweit fehlen noch 220.000 Kita-Plätze

Dienstag, 6. November 2012, 13:09 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Zur Umsetzung des ab Mitte 2013 geltenden Rechtsanspruchs auf einen Kita-Platz fehlen nach amtlichen Angaben noch 220.000 Plätze.

Zum 1. März seien 558.000 Kinder unter drei Jahren in einer öffentlichen Einrichtung betreut worden, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag in Berlin mit. Um bis August 2013 für 780.000 der unter Dreijährigen ein Betreuungsangebot zu haben, müsse der Zuwachs stärker ausfallen als in den letzten vier Jahren zusammen, sagte Karl Müller vom Statistikamt. Zwischen März diesen Jahres und August 2013 muss die Zahl der Betreuungsplätze um fast 40 Prozent steigen. Ausbaubedarf gebe es vor allem in Westdeutschland. Hier sei innerhalb eines Jahres ein Zuwachs um 63 Prozent notwendig. Gehe der Ausbau im Tempo weiter wie seit 2008, werde die Zielmarke erst 2018 erreicht.

Die Pläne des Bundes sehen vor, bis Mitte nächsten Jahres 780.000 Plätze für unter Dreijährige bereitzustellen, was einer Betreuungsquote von rund 39 Prozent entspricht. Derzeit liegt der Anteil aller Kinder in dieser Altersgruppe in Betreuung bei 27,6 Prozent. Ab dem 1. August 2013 besteht für Kinder nach dem ersten Lebensjahr ein Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz.

Die höchsten Betreuungsquoten für Kinder unter drei Jahren gibt es in den ostdeutschen Ländern. Spitzenreiter sind Sachsen-Anhalt (57,5 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (53,6 Prozent) und Brandenburg (53,4 Prozent). Die niedrigste Quote gibt es in Nordrhein-Westfalen mit 18,1 Prozent. Dort steht als einzigem Bundesland für weniger als jedes fünfte Kind unter drei Jahren ein Platz zur Verfügung. Bei den westdeutschen Flächenländern liegt Rheinland-Pfalz mit 27 Prozent vorne, bei den Stadtstaaten Hamburg mit 35,8 Prozent.

Der Statistik vom März zufolge nahmen die Eltern von jedem vierten Kind (28,4 Prozent) im Alter von einem Jahr ein Betreuungsangebot in Anspruch, bei Kindern im Alter von zwei Jahren waren es bereits 51,1 Prozent. Von den unter Einjährigen waren nur 2,8 Prozent schon in einer öffentlichen Einrichtung.

In der Altersgruppe der Drei- bis Fünfjährigen nehmen dagegen die Eltern von rund 1,9 Millionen Kindern ein Angebot der Kinderbetreuung in Anspruch. Die Quote liegt damit bei 93,4 Prozent und reicht damit fast an eine Vollversorgung heran.

STÄDTETAG BEFÜRCHTET KLAGEWELLE

Der Präsident des Deutschen Städtetages, Christian Ude, befürchtet eine Klagewelle wegen fehlender Kita-Plätze. "Die Eltern werden auf Zuteilung eines Platzes klagen", sagte der Münchner Oberbürgermeister und SPD-Politiker in der ARD. Wenn eine solche Zuteilung objektiv nicht möglich sei, werde es einen Schadenersatzanspruch geben. "Und das ist dann besonders absurd, wenn Städte in Finanznot auch noch einen solchen Schadenersatz zahlen müssen", monierte Ude. Hier müsse der Gesetzgeber ganz schnell pragmatische Lösungen anbieten. Selbst das gigantischste Ausbauprogramm reiche nicht, um den Bedarf zu decken.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Stephan Articus, bezeichnete die Anstrengungen der Städte beim Ausbau der Betreuung als gewaltig. Sie würden auch alles daran setzen, um in den nächsten Monaten noch mehr Plätze zu schaffen. "Doch trotz aller Anstrengungen werden in einem Teil der Städte Lücken bleiben", warnte er. Gerade in großen Städten würden weitaus mehr Plätze benötigt als auf dem Land. Bund und Länder müssten mit den Kommunen daher nach Lösungen suchen, wie Klagen wegen fehlender Plätze verhindert werden könnten.

 
Coloured pencils are pictured in a wooden box at a nursery school in Eichenau near Munich June 18, 2012. REUTERS/Michaela Rehle (GERMANY - Tags: EDUCATION SOCIETY)