Zeitung - Anklage wegen Neonazi-Mordserie erhoben

Dienstag, 6. November 2012, 17:17 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Im Verfahren um die Neonazi-Mordserie hat die Bundesanwaltschaft einem Zeitungsbericht zufolge Anklage gegen Beate Zschäpe und vier weitere Beschuldigte erhoben.

Generalbundesanwalt Harald Range habe die mehrere hundert Seiten umfassende Anklageschrift unterschrieben und am Dienstag zusammen mit über 1000 Ordnern Ermittlungsakten auf den Weg zum Oberlandesgericht München gebracht, berichtete der "Tagesspiegel" vorab aus seiner Mittwochausgabe. Die konkreten Anklagepunkte waren dem Bericht nicht zu entnehmen.

Zu den Angeschuldigten zählt dem Bericht zufolge auch Ralf Wohlleben, ein mutmaßlicher Unterstützer des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU). Wohlleben und Zschäpe sitzen als einzige Verdächtige noch in Untersuchungshaft.

Die Rechtsextremisten Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe sollen neun Einwanderer und eine Polizistin ermordet haben. Das Neonazi-Trio war vor einem Jahr nur durch Zufall aufgeflogen, als Böhnhardt und Mundlos sich nach einem Banküberfall erschossen und Zschäpe danach die gemeinsame Wohnung in Brand setzte. Untersuchungsausschüsse in Bund und Ländern prüfen seither, wie es dazu kommen konnte, dass der rechtsextremistische Hintergrund der Mordserie über Jahre hinweg nicht ans Licht kam. Den Sicherheitsbehörden werden zahlreiche Ermittlungspannen vorgeworfen.

Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe erklärte am Dienstag, die Behörde werde in Kürze Anklage gegen mehrere Beschuldigte erheben. Mit Blick auf das Gebot des fairen Verfahrens sowie die Rechte der Beschuldigten und Nebenkläger verbiete sich jedoch momentan eine detailliertere Auskunft.