Deutsche Wirtschaft fordert nach US-Wahl Freihandelszone

Mittwoch, 7. November 2012, 14:50 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die deutsche Wirtschaft drängt nach der Wiederwahl von Barack Obama zum US-Präsidenten auf ein transatlantisches Freihandelsabkommen.

"Ein solches Abkommen würde beiden Seiten erhebliche Wohlstandsgewinne bringen", sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel, am Mittwoch. Verhandlungen dazu sollten bald aufgenommen werden. Auch der Verband der chemischen Industrie (VCI) sprach sich für die zügige Schaffung einer Freihandelszone zwischen den USA und Europa aus: "Das wäre ein wichtiger Impuls für Wachstum und Beschäftigung beiderseits des Atlantiks", erklärte VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann.

Generell wünschten sich Vertreter deutscher Wirtschaftsverbände vom wiedergewählten Präsidenten Obama eine Intensivierung der transatlantischen Beziehungen. In seiner ersten Amtszeit habe er nur mit Panama, Kolumbien und Südkorea Freihandelsabkommen vereinbart, sagte Fred Irwin, Präsident der deutsch-amerikanischen Handelskammer. "Das sind nicht gerade die führenden Wirtschaftsmächte der Welt." Er hoffe, das Verhandlungen über eine europäisch-amerikanische Freihandelszone schon Anfang kommenden Jahres aufgenommen würden. "Kommt es zu einem Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU, würde dies das Wachstum auf beiden Seiten des Atlantiks binnen 18 Monaten um drei Prozent ankurbeln", zeigte er sich überzeugt.

Aus der Politik kommt Unterstützung: "Wir wollen noch eine engere Beziehung haben zwischen den USA und der Europäischen Union. Wir wollen einen transatlantischen Marktplatz", sagte Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler Philipp Rösler (FDP) und äußerte sich damit ähnlich wie Bundesaußenminister Guido Westerwelle im "ARD-Morgenmagazin". Rösler verwies auf die Gespräche zur Vorbereitung eines Freihandelsabkommens zwischen der EU und den USA. "Das kann jetzt sehr schnell vorangehen. Darüber freuen wir uns sehr."

Nicht nur Zölle behinderten den Handel zwischen den USA und Europa, auch die nichttarifären Handelshemmnisse müssten beseitigt werden, erklärte Matthias Wissmann, Präsident des Automobilverbands VDA. Insbesondere würden mehr einheitliche Standards und Normen in der Automobilwirtschaft den Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks nützen. "Präsident Barack Obama hat sich in den vergangenen vier Jahren als ein Freund Europas und der Europäer erwiesen. Seine Wiederwahl schafft Kontinuität und damit die Chance, die von ihm angestoßene Intensivierung der transatlantischen Beziehungen weiterzuführen."