Steinbrück gelöst im SPD-Frauensalon

Freitag, 9. November 2012, 14:00 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Zum "Roten Frauensalon" der SPD eilt Peer Steinbrück direkt von einer namentlichen Abstimmung im Bundestag, die mit einem für ihn belastenden Thema verbunden ist: seiner Honorarmillion.

In der Parteizentrale im Willy-Brandt-Haus tritt am Donnerstagabend dennoch ein designierter Kanzlerkandidat vor das Mikrofon, der nicht den Eindruck macht, dass er sich gehetzt fühlt - weder vom Zeitdruck noch von der Themenlage. "Es darf über alles geredet werden", sagt Steinbrück der Moderatorin, nachdem er bereits eine Stunde lang Diskussionen zugehört hat über Themen wie Frauenquote oder Vereinbarkeit von Kindern und Beruf.

NAHLES: ES WAREN DIE FRAUEN

Steinbrück hat sogar seine Tochter Anna mitgebracht - für einen öffentlichen Auftritt Steinbrücks eine Seltenheit, der erklärtermaßen die Familienkarte im Wahlkampf zurückhaltend ausspielen will. Er lässt sich nicht aufs Glatteis führen, seiner berufstätigen Tochter vor dem vor allem aus Frauen bestehenden Publikum Ratschläge zu erteilen. Wenn das nötig wäre, mache er das bei einem Glas Wein, sagt Steinbrück.

Seine Nebeneinkünfte, die ihm die ersten Wochen als Herausforderer von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gründlich vermasselt haben, kommen auf dem Podium nicht zur Sprache. Es geht um Frauenthemen, die Männer genauso berühren, weil es um Arbeit, Familie, Bildung und anständige Bezahlung geht. Der designierte Kanzlerkandidat muss bei Frauen noch punkten, wenn man einer Umfrage traut, wonach er bei Männern besser ankommt: 35 Prozent der Wählerinnen könnten sich ein Abendessen mit ihm vorstellen, bei den Männern wären es 44 Prozent.

STEINBRÜCK GEISSELT BEREUUNGSGELD ALS SCHWACHSINN

Vor allem im Osten Deutschlands muss der Kanzlerkandidat noch um Sympathie werben, insbesondere bei den Frauen, heißt es aus der SPD. Das mag mit der Kanzlerin aus der ostdeutschen Uckermark zu tun haben. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles verweist auf die Rolle der Wählerinnen beim Wahlsieg von US-Präsident Barack Obama. Von den Amerikanerinnen hätten 55 Prozent für ihn gestimmt: "Es waren die Frauen", sagt Nahles, sowohl als Aufmunterung als auch Aufforderung an Steinbrück.

Der Ex-Finanzminister bekommt Gelegenheit, sich zu frauenpolitischen Herzensanliegen der SPD zu bekennen. Bei der Frauenquote für Führungskräfte in der Wirtschaft habe er eine "Lernkurve" hinter sich. Eine Gesetzesregelung sei "nötig mit Blick auf Aufstiegsmöglichkeiten von Frauen". Gleiche Bezahlung für die gleichen Tätigkeiten von Frauen und Männern: "Das kann ich machen", sagt Steinbrück und meint den Gesetzgeber.

Er liefert einen Vorgeschmack auf die Bundestagsdebatte am Freitag über das Betreuungsgeld. Dann wird er als Hauptredner für die SPD erstmals vor dem Parlament über etwas anderes sprechen als den Euro und Finanzen. Dieser "Schwachsinn des Betreuungsgeldes" brenne ihm unter den Nägeln, sagt Steinbrück. Es sei "arbeitsmarktpolitisch ein horrender Schwachsinn", bildungspolitisch falsch und "drittens Schwachsinn", weil das Geld besser zum Kita-Ausbau verwendet würde.   Fortsetzung...

 
Former German finance minister and Social Democrat (SPD) member Peer Steinbrueck claps during a North Rhine-Westphalia SPD party convention in the western German city Muenster September 29, 2012. (GERMANY - Tags: POLITICS ELECTIONS)