Grüne wollen der Union Wähler abjagen

Montag, 12. November 2012, 15:11 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Nach der Aufstellung ihrer Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl wollen die Grünen gezielt auf Stimmenfang im bürgerlichen Lager gehen.

"Wir wollen die Wähler der CDU/CSU", sagte Grünen-Chef Cem Özdemir am Montag nach einer Bundesvorstandssitzung in Berlin. Es sei kein Naturgesetz, dass diese für alle Ewigkeit christdemokratisch wählten. Alle, die sich für Nachhaltigkeit, ausgeglichene Haushalte, Europa und Gerechtigkeit interessierten, seien herzlich eingeladen, bei den Grünen mitzuarbeiten und ihr Kreuz zu machen.

Eine Schwarz-Grün-Debatte könne er in seiner Partei nicht erkennen, betonte Özdemir. "Wir werben nicht für eine Koalition mit der CDU/CSU, wir wollen ihnen die Wähler abjagen." Die Aufforderung von SPD-Chef Sigmar Gabriel an die Grünen, sich klar zu Rot-Grün zu bekennen, laufe daher ins Leere. Die SPD sollte sich lieber an der Debatte beteiligen, wie Wähler gewonnen werden könnten. "Vielleicht hat Herr Gabriel da noch Einiges zu tun in seiner Partei", fügte er hinzu.

An der Schwarz-Grün-Debatte hat nach Ansicht Özdemirs lediglich die Union Interesse, da ihr Koalitionspartner FDP sich in absehbarer Zeit nicht aus dem Krankenbett erheben werde. Es gebe jedoch keinen Grund, warum die Grünen der Union, die in die Opposition gehöre, aushelfen sollten.

Özdemir betonte, die beiden Spitzenkandidaten Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin hätten deutlich gemacht, dass die Grünen ihr Ergebnis von 10,7 Prozent aus dem Jahr 2009 deutlich verbessern wollten. Während die SPD über 30 Prozent kommen müsse, um Schwarz-Gelb abzulösen, müsse das Grünen-Resultat an die 15 Prozent herankommen.