Rentenerhöhung im Osten dreimal so hoch wie im Westen

Dienstag, 13. November 2012, 13:03 Uhr
 

Würzburg (Reuters) - Im Bundestagswahljahr 2013 zeichnet sich für den Großteil der rund 20 Millionen Rentner eine nur geringe Anhebung ihrer Altersbezüge ab, die nicht einmal die Inflation ausgleicht.

Zum 01. Juli 2013 könnten die Renten nach ersten vorläufigen Berechnungen der Deutschen Rentenversicherung Bund im Westen um etwa ein Prozent steigen, wie die Behörde am Dienstag bei einem Presseseminar in Würzburg mitteilte. Im Osten gehe man dagegen von einer Erhöhung um rund drei Prozent aus. Die Vorstandschefin der Rentenversicherung, Annelie Buntenbach, sagte, die dreimal höhere Rentenanhebung im Osten werde sicher Diskussionen auslösen. Dies sei aber Ergebnis technischer Faktoren.

Die Kassen der Rentenversicherung sind nach Worten Buntenbachs gut gefüllt. Trotz der für 2013 geplanten Beitragssenkung auf 18,9 Prozent werde sich die Rücklage nur auf 27,3 Milliarden Euro verringern.

BUNTENBACH: ZAHLEN NUR VORLÄUFIGE HAUSNUMMERN

Bei einer 2012 erwarteten Inflation von etwa zwei Prozent würde die Anhebung im Westen nicht einmal den Kaufkraftverlust ausgleichen. Buntenbach betonte, dass es nur vorläufige Zahlen seien. Es seien "nur Hausnummern für die Anpassung im Sommer nächsten Jahres". Die Renten im Westen könnten demnach in einer Größenordnung von etwa einem Prozent steigen. "Die Rentenanpassung in den neuen Bundesländern wird wohl höher ausfallen", sagte Buntenbach. Auf Nachfragen sagte sie, derzeit gehe man von rund drei Prozent aus.

Die stärkere Rentenanhebung im Osten begründete die Behörde unter anderem damit, dass dort keine unterbliebenen Rentenminderungen mehr nachzuholen seien. Diese hatten sich dadurch ergeben, dass für 2010 eine Rentenkürzung per Gesetz ausgeschlossen wurde und in den Jahren davor der Riester-Faktor ausgesetzt worden war. Die eigentlich aufgrund der Lohnentwicklung fälligen Rentenminderungen werden aber bei späteren Erhöhungen abgezogen. Im Osten wurde dieser Ausgleichsbedarf schon in diesem Jahr erfüllt.

Im Westen indes sind laut Rentenversicherung noch 0,7 Prozentpunkte im kommenden Jahr abzuziehen. Hinzu komme die jährlich vorzunehmende statistische Korrektur bei den Versichertenentgelten. Das führe im Westen nochmals zu einem Abzug von 0,6 Punkten, im Osten dagegen zu einem Aufschlag von 1,2 Prozentpunkten.

Buntenbach sagte, als Gewerkschaftsfunktionärin - sie ist auch Mitglied des Bundesvorstandes des Deutschen Gewerkschaftsbundes - plädiere sie dafür, den Nachholfaktor im Westen 2013 "nicht in Anschlag zu bringen", damit die Renten dort um 0,7 Punkte höher ausfallen könnten.

Festgelegt wird die Rentenerhöhung von der Bundesregierung im Frühjahr 2013, wenn die endgültigen Zahlen zur Lohnentwicklung vorliegen. In diesem Jahr waren die Renten um 2,18 Prozent im Westen und um 2,26 Prozent im Osten gestiegen.   Fortsetzung...

 
An elderly woman carries bags as she walks on a street in Berlin, September 3, 2012. REUTERS/Thomas Peter (GERMANY - Tags: POLITICS SOCIETY)