Ärzte starten Befragung über flächendeckende Versorgung

Dienstag, 13. November 2012, 15:25 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die rund 150.000 niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten sollen in Kürze darüber abstimmen, ob sie die flächendeckende medizinische Versorgung auch künftig sicherstellen wollen.

Ab dem 17. November werde an alle Mitglieder ein Fragebogen verschickt, sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler, am Dienstag zu Reuters in Berlin. Dieser werde von einem Meinungsforschungsinstitut ausgewertet. Zwischenergebnisse sollten bereits zur Vertreterversammlung am 7. Dezember vorliegen.

Konkret geht es bei der Erhebung um den Sicherstellungsauftrag. Dieser umfasst konkrete Leistungen, die die gesetzlichen Kassen ihren Mitgliedern vertraglich garantieren, etwa die Versorgung mit ausreichend Ärzten. Die Kassenärztlichen Vereinigungen wiederum müssen dafür sorgen, dass ein qualitativ angemessenes und bedarfsdeckendes Versorgungsangebot vor Ort garantiert ist. Zudem muss rund um die Uhr die medizinische Versorgung gesichert sein.

Köhler monierte, der Vertrag werde für die Ärzte zunehmend zu einer Fessel: "Wir dürfen nicht streiken und wir sind zu jedem Zeitpunkt verpflichtet, die Versorgung sicherzustellen." Die Vorteile, die mal vor 100 Jahren im Berliner Abkommen vereinbart worden seien, seien nicht mehr spürbar. Anlass der Aktion ist der vor wenigen Wochen beendete Honorarstreit. "Die ständige öffentliche Diffamierung des Berufsstandes, wonach Ärzte korrupt und betrügerisch seien, hat die Grenze des Ertragbaren überschritten", sagte Köhler.

Möglich sei, dass bei der Befragung eine Mehrheit der Ärzte sage, dass sie den Sicherstellungsauftrag nicht mehr wollten. "Die Konsequenz wären Einzelverträge zwischen Ärzten und Kassen." Als andere Variante sei denkbar, den Sicherstellungsauftrag zu modernisieren. Es könne aber auch sein, dass die Mehrheit der Ärzte nichts verändern wolle. Köhler betonte aber, die Ärzte könnten nicht einfach sagen, dass sie die Versorgung nicht mehr gewährleisten wollten. Dazu müsse es eine Diskussion mit der Politik geben. "Der Staat muss dann gegebenenfalls entscheiden, wie er weiterhin eine flächendeckende Sicherstellung erreichen will."