Industrie und IT-Branche sollen stärker zusammenarbeiten

Dienstag, 13. November 2012, 17:02 Uhr
 

Essen (Reuters) - Die klassische Industrie und die Unternehmen der Informationstechnologie sollen nach dem Willen der Bundesregierung ihre Zusammenarbeit ausbauen, um im internationalen Wettbewerb auf das Siegertreppchen zu kommen.

In einer Verknüpfung beider Branchen lägen "für Deutschland sehr große Chancen", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel beim siebten nationalen IT-Gipfel in Essen. Eine Vernetzung könne die Unternehmen an die Weltspitze führen, betonte auch Wirtschaftsminister Philipp Rösler.

Nach aktuellen Statistiken rangiere die deutsche Industrie weltweit auf Platz fünf und die IT auf Platz sechs. Gemeinsam könnten sie weltweit bis zum Jahr 2020 unter die ersten drei Volkswirtschaften kommen. Allein 2012 soll die Branche ihrem Verband Bitkom zufolge 152 Milliarden Euro Umsatz einfahren - 2,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Große Herausforderung für IT und Industrie ist nun der Ausbau intelligenter Netze in Deutschland.

Deutschland könne auch in klassischen Exportbranchen wie dem Maschinenbau oder der Autoindustrie nur durch die IT Schritt halten, betonte Merkel. Die digitale Wirtschaft sei ein "absoluter Wachstumstreiber" und das auch für andere Branchen, betonte Rösler, dessen Ministerium zu dem IT-Gipfel in Essen eingeladen hatte. Als Beispiele für Möglichkeiten einer besseren Kooperation zwischen Industrie und IT-Firmen nannte Rösler die Gesundheits- und die Energiebranche. Krankenhäuser müssten etwa gemeinsame Grundzüge zur Archivierung von Daten schaffen, die Versorger sollten gemeinsam in Deutschland oder sogar Europa Standards etwa für Energiezähler schaffen. Damit könnten sie auch einen Beitrag zum Gelingen der Energiewende leisten - denn diese mache flexible und intelligente Netze notwendig.

Auch Merkel betonte, der Ausbau der Netze sei "wahnsinnig wichtig". Telekom-Chef Rene Obermann nannte die Schaffung intelligenter Netze eine "Mammut-Aufgabe", für die die betroffenen Branchen in den nächsten sieben bis acht Jahren zusammenarbeiten müssten.

WILLKOMMENSKULTUR GEGEN FACHKRÄFTEMANGEL

Um einem Mangel an Fachkräften vorzubeugen, müsse zudem internationalen Experten die Arbeit in Deutschland erleichtert werden, betonte Rösler. Deutschland brauche eine "Willkommenskultur", um Experten anlocken zu können. Der inländische Arbeitsmarkt gebe nicht genug Fachleute her.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie warb mit Blick für mehr Datensicherheit - auch in der Europäischen Union. "Die deutsche Industrie hat ein hohes Interesse an einem einheitlichen Datenschutzniveau", erklärte Dieter Schweer, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung. Unverzichtbar sei auch der Ausbau des schnellen Internets, um auch strukturschwachen Regionen neue Chancen zu eröffnen.

Beim IT-Gipfel berieten Vertreter von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft über wirtschaftliche und politische Fragen in Verbindung mit der Informations- und Kommunikationstechnik. Neben Rösler und Telekom-Chef Obermann nahmen auch der ThyssenKrupp-Vorsitzende Heinrich Hiesinger und RWE-Chef Peter Terium teil. Hiesinger betonte, die Industrie sei einer der größten IT-Anwender in Deutschland.

Der Branchenverband Bitkom bekräftigte, die IT-Branche stabilisiere die schlingernde Konjunktur in Deutschland und beschäftigte immer mehr Menschen. Für das kommende Jahr dürfte der Branche indes nicht mehr so viel Wachstum ins Haus stehen. Der Bitkom rechnet mit einem Umsatzplus von 1,6 Prozent auf 154,3 Milliarden Euro, sagte ihr Präsident Dieter Kempf. Und auch er warnte vor einem Mangel an Fachkräften. Allein im laufenden Jahr blieben rund 43.000 Stellen in der Wachstumsbranche unbesetzt, hatte der Verband bereits beklagt.

 
German Chancellor Angela Merkel points at a large smartphone picture during the seventh national IT-Summit in Essen November 13, 2012. The German government presented a information platform for smartphones. REUTERS/Ina Fassbender (GERMANY - Tags: POLITICS SCIENCE TECHNOLOGY)