Gauck warnt vor ungezügeltem Gewinnstreben und Gier

Donnerstag, 15. November 2012, 11:32 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Bundespräsident Joachim Gauck hat als Lehre aus der jüngsten tiefen Finanzkrise die Unternehmensmanager vor ungezügeltem Gewinnstreben und Gier gewarnt.

Zugleich forderte er am Donnerstag in einer Rede auf dem "Führungstreffen Wirtschaft" der "Süddeutschen Zeitung" in Berlin ein Umdenken in der Gesellschaft, um wieder stärker die Verantwortung für das ganze Gemeinwesen ins Zentrum des Handelns zu rücken.

"Anstand im Wirtschaftsleben ist wichtig", unterstrich Gauck laut Redetext. Das heiße aber nicht, dass Gewinnstreben unanständig sei. "Gefährlich wird erst die blanke Gier, das Mehrenwollen um jeden Preis. Zivilisierung der Gier aber schafft aufgeklärten Kapitalismus." Gauck erinnerte an den Satz des Grundgesetzes "Eigentum verpflichtet". Wirtschaftseliten dürften nicht nur an gute Ertragszahlen denken, sondern müssten auch Verantwortung für das Gemeinwesen übernehmen. "Schwarze Zahlen sind kein Grund, rote Linien zu überschreiten."

Das gelte auch für die Weltwirtschaft. "Dass nicht nur Geld und Ressourcen, sondern auch unsere sozialen Werte auf dem globalen Marktplatz zur Disposition stehen, haben noch nicht alle verstanden", kritisierte Gauck. Es gehe auch um Menschenrechte, Menschenwürde, um Respekt und ein Miteinander der Verschiedenen. "Es geht um Demokratie, ihre Bürger und alle denkbaren Formen der Verantwortung", unterstrich der Bundespräsident. Gesunde Unternehmen brauchten ein gesundes Umfeld. Dass bringe auch ökologische Verantwortung mit sich.

Ein verantwortungsbewusstes Handeln der Unternehmen präge aber auch das Verantwortungsbewusstsein der Kunden, sagte Gauck und verwies insbesondere auf die Konsumenten: "Mit dem Kassenbon kann man schlimme Zustände zementieren." Andererseits hätten die Kunden auch eine enorme Marktmacht, mit der sie Produktionsbedingungen in aller Welt mit prägen könnten.

Schuld an der Krise sind nach Gaucks Einschätzung nicht nur die Unternehmen, und insbesondere die der Finanzbranche. Unter ihnen habe es Verführer wie Verführte gegeben. Denn auch die Politik habe unrealistische Wachstumsfantasien genährt. Überzogene Erwartungen und Gutgläubigkeit habe es auch unter den Kunden gegeben. "Maßlosigkeit hat in die Krise geführt", resümierte der Bundespräsident. Alle müssten sich selbst hinterfragen sowie ihr Verhalten, ihre inneren Überzeugungen und Motive überprüfen und ändern. Gauck warnte davor, eigene Fehler zu verbrämen und diese auf anonyme Institutionen wie "den Markt" oder "das System" zu verlagern. "Ein neuer Umgang mit Fehlern stände uns gut zu Gesicht."

 
German German President Joachim Gauck (R) receives German publisher Friede Springer for lunch at Bellevue Castle in Berlin, October 23, 2012. REUTERS/Thomas Peter (GERMANY - Tags: POLITICS BUSINESS)