Steinbrück will Frauenquote fünf Jahre Zeit geben

Freitag, 16. November 2012, 15:59 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Der designierte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück will es bei der Frauenquote für die Führungsetagen der Wirtschaft langsamer angehen lassen als einst von seiner Fraktion geplant.

In einem am Freitag vorab verbreiteten Interview der Berliner Tageszeitung "taz" sprach sich Steinbrück zwar für eine gesetzliche Mindestquote von 40 Prozent Frauen in Aufsichtsräten und Vorständen aus. Um das Ziel zu erreichen, will er der Wirtschaft aber mehr Zeit einräumen. Wenn man die 200 größten Firmen nehme, "dann wird man fünf Jahre dafür ins Land gehen lassen müssen". Aus heutiger Sicht wäre das im Jahr 2017.

In einem Gesetzentwurf hatte die SPD-Fraktion dafür ursprünglich 2015 als Zieldatum genannt. Dieser war jedoch im Frühjahr im Bundestag gescheitert. Zuletzt hatte die Fraktion aus parteitaktischem Kalkül eine weniger ambitionierte Position eingenommen: Um die Befürworterinnen einer gesetzlichen Frauenquote in der Union zum Schwur zu zwingen, unterstützt die SPD gemeinsam mit den Grünen einen Vorstoß der Hamburger SPD-Landesregierung und des Bundesrates, der einen Frauenanteil von 40 Prozent in Aufsichtsräten im Jahr 2023 zum Ziel hat.

Schlagzeilen zur Frauenquote hatte in dieser Woche die EU-Kommission gemacht: Nach ihrem Gesetzesvorschlag soll ein Frauenanteil von 40 Prozent in Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen bis zum Jahr 2020 erreicht sein. Das wäre mehr als eine Verdoppelung der entsprechenden Frauenposten.