Steinbrück - Unruhe an Finanzmärkten könnte zurückkehren

Samstag, 17. November 2012, 15:29 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Der designierte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat vor neuen Marktunsicherheiten gewarnt, weil die Europäer nach seiner Einschätzung wichtige Zusagen zur Krisenbekämpfung nicht einhalten.

Wenn die Märkte mitbekämen, dass Ankündigungen vom Sommer, die sie damals beruhigt hätten, nicht umgesetzt würden, werde sich "das Karussell wieder drehen", warnte der frühere Finanzminister am Samstag auf einer von der "Süddeutschen Zeitung" organisierten Konferenz in Berlin. Er bezog sich auf Erwartungen der Märkte, dass es schon bald eine direkte Rekapitalisierung angeschlagener Banken im Euro-Raum über den Schutzschirm ESM geben könnte sowie die Pläne für ein Beschäftigungs- und Wachstumspaket.

Eine direkte Rekapitalisierung europäischer Banken - und vor allem spanischer Institute - über den ESM dürfte Steinbrück zufolge schon bald zur Entscheidung stehen. "Das ist eine Entwicklung, mit der ich rechne." Der Druck der südeuropäischen Länder werde zunehmen. Allerdings fehle es an der Voraussetzung, einer europäischen Bankenunion.

Steinbrück bekannte sich dazu, Griechenland innerhalb der Euro-Zone zu stabilisieren. Er sei überzeugt, dass bei einem Austritt aus dem Währungsraum andere Länder folgen würden. Zudem stellte er sich angesichts der aktuellen Lage hinter die Politik der Europäischen Zentralbank, notfalls mit Anleihenkäufen von Krisenländern die Euro-Zone zu stabilisieren.

Der frühere Minister beklagte zudem, die großen Industrie- und Schwellenländer hätten ihre Ankündigung, alle Finanzmärkte, -akteure und -produkte zu regulieren, nicht erfüllt. "Dieses Prinzip ist bis heute nicht umgesetzt", sagte er. Es bleibe noch Etliches zu tun.