Magazin - Merkel fürchtet Machtverlust bei Schwarz-Grün

Samstag, 24. November 2012, 16:08 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich einem Magazinbericht zufolge von schwarz-grünen Gedankenspielen prominenter Parteifreunde distanziert.

In einer Präsidiumssitzung warnte die CDU-Chefin hinter verschlossenen Türen nicht nur vor großen inhaltlichen Differenzen, sondern auch vor machtpolitischen Konsequenzen, wie das Nachrichtenmagazin "Focus" am Samstag vorab berichtete. "Dann hätten wir null Stimmen im Bundesrat", zitierte das Magazin die Kanzlerin. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle warnte die Union vor einer Annäherung an die Grünen.

Auslöser der jüngsten Debatte über ein schwarz-grünes Bündnis auf Bundesebene war die Wahl von Katrin Göring-Eckardt in das Grünen-Spitzenduo für die Bundestagswahl 2013 gewesen. So äußerten zuletzt etliche führende CDU-Politiker Sympathie für ein Bündnis mit den Grünen, darunter etwa NRW-Landeschef Armin Laschet oder der noch amtierende CDU-Parteivize und frühere Umweltminister Norbert Röttgen. Sein Nachfolger im Umweltressort Peter Altmaier wandte sich indes gegen solche Spekulationen.

"Die schwarz-grünen Gedankenspiele einiger CDU-Politiker sind quasi ein Förderprogramm für die FDP", sagte Brüderle der "Welt am Sonntag" laut einem Vorabbericht. CDU-Wähler, die eine bürgerliche Koalition wollten, müssten für die Liberalen stimmen. Wer dagegen seine Stimme für Katrin Göring-Eckardt abgebe, die dem realpolitischen Flügel der Grünen angehört, bekomme Jürgen Trittin. Dieser trage "unter dem Jackett noch immer die Mao-Weste mit den Rezepten von gestern in der Tasche, nämlich abkassieren und umverteilen", warnte der FDP-Politiker.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder dagegen stellte sich hinter Überlegungen für ein schwarz-grünes Bündnis. "Ich kann mir Schwarz-Grün prinzipiell schon seit langem vorstellen", sagte die CDU-Politikerin dem Hessischen Rundfunk. Es komme aber sehr auf die handelnden Personen an. Göring-Echkardt sei eine kluge Frau, die durchaus für bürgerliche Werte stehe.

 
Rainer Bruederle, parliamentary faction leader of the liberal Free Democratic Party (FDP), delivers a speech at a conference of the German Foundation of Family Businesses in Berlin June 15, 2012. REUTERS/Thomas Peter