Regierung erwartet Rentenplus in nächsten vier Jahren

Montag, 26. November 2012, 15:57 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die Rentner in Deutschland können nach Einschätzung der Bundesregierung in den nächsten vier Jahren mit einer deutlichen Erhöhung ihrer Bezüge rechnen.

Wie aus dem Reuters am Montag vorliegenden Rentenversicherungsbericht hervorgeht, sollen die Renten bis 2016 im Osten um 11,01 Prozent und im Westen um 8,27 Prozent steigen. Gewerkschaften, Sozialverbände und Opposition kritisierten die Zahlen hingegen als zu positiv und warnten vor unhaltbaren Versprechungen.

Die Ost-Rentner bekommen den Berechnungen zufolge im kommenden Jahr mit 3,49 Prozent das höchste Plus seit 1997. Im Jahr 2014 werden es 2,4 Prozent, 2015 2,65 und ein Jahr später 2,47 Prozent sein. Im Westen gibt es im nächsten Jahr zwar nur ein Prozent mehr. 2014 sind es jedoch 2,33 Prozent, und im Jahr 2015 steht mit 2,55 Prozent die größte Steigerung seit 1993 ins Haus. 2,39 Prozent sind es dann im Jahr 2016.

Der bisher unveröffentlichte Bericht soll am Mittwoch vom Bundeskabinett verabschiedet werden. In ihm sind auch finanzwirksame Maßnahmen berücksichtigt, die sich noch im Gesetzgebungsverfahren befinden. Hierzu gehört etwa die Kürzung des Bundeszuschusses an die Rentenversicherung um eine Milliarde Euro im Jahr 2013 und um je 1,25 Milliarden Euro in den Jahren 2014 bis 2016. Zudem wird die zum Jahreswechsel anstehende Senkung des Beitragssatzes auf 18,9 Prozent berücksichtigt. Auch die Vorausschätzungen der Regierung zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sind einkalkuliert.

Bis zum Jahr 2026 steigen den Modellrechnungen zufolge die Renten um insgesamt rund 36 Prozent an, was gut zwei Prozent pro Jahr ausmacht.

Festgelegt wird die Rentenerhöhung von der Bundesregierung im Frühjahr 2013, wenn die endgültigen Zahlen zur Lohnentwicklung vorliegen. In diesem Jahr waren die Renten um 2,18 Prozent im Westen und um 2,26 Prozent im Osten gestiegen.

DGB: ÜBLICHER REGIERUNGSOPTIMISMUS

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach monierte, der Bericht spiegele den "üblichen Regierungsoptimismus" wider. Die Prognosen könnten allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass Altersarmut weiterhin das Top-Thema der Rentenpolitik bleibe. Die Koalition müsse endlich ein wirksames Konzept auf den Tisch legen. Die Aussichten für die Rente würden entscheidend durch das sinkende Rentenniveau beeinträchtigt, das vor allem die junge Generation treffen werde. So sinkt das Rentenniveau dem Bericht zufolge von 49,6 Prozent im Jahr 2012 auf 48 Prozent im Jahr 2020 und weiter auf 46 Prozent im Jahr 2026.

Auch die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Ulrike Mascher, warnte vor zu großen Erwartungen hinsichtlich der in Aussicht gestellten Rentensteigerungen. Niemand könne vorhersagen, wie sich die wirtschaftliche Lage in den nächsten Monaten und Jahren entwickle. In den vergangenen Jahren seien die Rentenbeträge stets zurückgegangen.

Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig warf der schwarz-gelben Koalition vor, sie versuche mit "Mondzahlen" das am Wochenende verabschiedete Rentenkonzept ihrer Partei zu diskreditieren.

FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle wertete die Rentenzahlen dagegen als erfreulich. Die Steigerungen seien ein Beitrag, um die wirtschaftliche Entwicklung vonseiten der Konsumenten her abzusichern.