Pflegebedürftige müssen viele Kosten selbst zahlen

Dienstag, 27. November 2012, 16:42 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Pflegebedürftige müssen einer Studie zufolge im Durchschnitt 37.000 Euro der anfallenden Kosten aus eigener Tasche zahlen.

Laut einer Erhebung der Krankenkasse Barmer GEK müssen Frauen mit 45.000 Euro dabei deutlich mehr beisteuern als Männer mit durchschnittlich 21.000 Euro. Scharfe Kritik übten Experten vor diesem Hintergrund an der von der schwarz-gelben Koalition verabschiedeten Förderung privater Zusatzversicherungen mit 60 Euro im Jahr. Eine private Vorsorge - etwa über den "Pflege-Bahr" - sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein, monierte Kassenvize Rolf-Ulrich Schlenker am Dienstag in Berlin.

Laut dem Pflegereport fallen für Frauen mit insgesamt fast 84.000 Euro im Durchschnitt doppelt so hohe Ausgaben für die Pflege an wie für Männer mit 42.000 Euro. Ein Grund sind die längeren Heimaufenthalte weiblicher Pflegebedürftiger.

BAHR WEIST KRITIK ZURÜCK

Gesundheitsminister Daniel Bahr sagte, die soziale Pflegeversicherung sei von der Politik bewusst als Teilkaskoabsicherung angelegt worden. Ein erheblicher Teil der Kosten müsse von den Menschen selbst geschultert werden. Die Regierung habe daher die Förderung privater Pflegezusatzversicherungen auf den Weg gebracht. Schon mit relativ kleinen Beträgen könnten sie dafür sorgen, im Alter keine böse Überraschung zu erleben. Die Linken forderten die Einführung einer Pflegevollversicherung.

Für den Report wurden vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen die Kosten für rund 2000 Versicherte ab 60 Jahren seit ihrem Pflegeeintritt im Jahr 2000 analysiert. Damit lasse sich erstmals in Deutschland beziffern, welche Ausgaben für die Pflege von Anfang bis Ende anfielen und zwar sowohl in der Sozialversicherung, der Sozialhilfe wie auch privat, sagte Wissenschaftler Heinz Rothgang.

Im Durchschnitt übernimmt die Pflegeversicherung Leistungen in Höhe von 33.000 Euro, wobei die Spanne zwischen 13.000 und 262.000 Euro liegt. Rund 28 Prozent der Pflegebedürftigen beanspruchen aber weniger als 5000 Euro, weitere 20 Prozent zwischen 5000 und 15.000 Euro.

Auch Experte Rothgang kritisierte die von der Koalition verabschiedete Förderung privater Pflege-Zusatzversicherung. Der "Pflege-Bahr" werde nicht funktionieren und sei daher kein geeignetes Instrument, um die Eigenanteile zu reduzieren. Nur eine kleine Minderheit einkommensstärkerer Haushalte werde davon Gebrauch machen. Im Moment könne er nur davon abraten, ein solches "gefährliches Produkt" abzuschließen, sagte Rothgang. Vier Wochen vor der Einführung sei darüber noch nichts bekannt. Trotz einer am Mittwoch im Kabinett zur Abstimmung stehenden Verordnung bleibe letztlich alles der privaten Versicherungswirtschaft überlassen.

Bahr wies die Kritik zurück und betonte, bei der Reform handele es sich um eine deutliche Verbesserung. Bislang gebe es überhaupt noch keine Förderung. Auch für Bezieher kleiner Einkommen lohne sich die Vorsorge.   Fortsetzung...

 
A puppet of a doctor is pictured at the clinic of paediatrician Thomas Fischbach in the western town of Solingen September 4, 2012. REUTERS/Ina Fassbender