Steinbrück sagt Vortrag bei Sarasin-Bank ab

Mittwoch, 5. Dezember 2012, 12:01 Uhr
 

Berlin/Hannover (Reuters) - Der designierte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat seine für Donnerstag geplante Rede auf einer Verkaufsveranstaltung der Privatbank Sarasin in Frankfurt kurzfristig abgesagt.

Sein Sprecher Michael Donnermeyer begründete dies am Mittwoch mit Medienberichten über Ermittlungen der Staatsanwaltschaft bei dem Bankhaus. "Aufgrund der ihm heute bekanntgewordenen Meldungen hat er seinen Vortrag nunmehr abgesagt", sagte Donnermeyer. Tags zuvor hatte der Sprecher noch bestätigt, dass der Vortrag drei Tage vor der Wahl Steinbrücks zum Kanzlerkandidaten auf dem Parteitag am Sonntag stattfinden werde. Steinbrück erfülle damit eine vertragliche Verpflichtung. Das Honorar von 15.000 Euro werde aber gespendet.

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, dass es bei der Schweizer Privatbank, die mehrere Niederlassungen in Deutschland betreibe, eine Durchsuchung gegeben habe. Dabei gehe es um mutmaßlichen Steuerbetrug bei Aktiengeschäften. Die Privatbank solle in mehrere Aktiengeschäfte rund um die Hypo-Vereinsbank (HVB), den Berliner Immobilienunternehmer Rafael Roth und einen Anwalt verwickelt sein, bei dem in der Bundesrepublik angeblich Steuern in Höhe von knapp 124 Millionen Euro hinterzogen worden seien. Sarasin habe auf Anfrage erklärt, man habe "derzeit keine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten der Bank".

KAUDER ATTACKIERT STEINBRÜCK

Bevor die Absage bekanntwurde, hatte Unions-Fraktionschef Volker Kauder den designierten Kanzlerkandidaten wegen des geplanten Vortrags attackiert. Offenbar habe Steinbrück schon lange erkannt, dass er "keinen Stich gegen Angela Merkel und die CDU" machen werde, sagte Kauder beim CDU-Bundesparteitag in Hannover. Offenbar wolle er nur seinen "Marktwert für weitere Vorträge nach der Bundestagswahl erhöhen". Ansonsten lasse sich ein "solches instinktloses Verhalten" nicht nachvollziehen. "Zunächst einmal hatte die SPD Pech, und dann kam noch Peer Steinbrück dazu", sagte Kauder.

Steinbrück hatte in den vergangenen drei Jahren neben seinem Mandat als Bundestagsabgeordneter mit über 80 bezahlten Reden mehr als eine Million Euro eingenommen. Die Debatte darüber verhagelte ihm den Start als designierter Kanzlerkandidat. Bei der Offenlegung aller Honorare am 30. Oktober hatte Steinbrück angekündigt, dass er noch zwei Vorträge halten müsse, weil er ohne Konventionalstrafe aus den Verträgen nicht herauskomme. Nach Angaben seines Sprechers wäre der Sarasin-Vortrag die letzte dieser vertraglichen Verpflichtungen gewesen.