Privathaushalte leiden unter Energiepreisexplosion

Sonntag, 9. Dezember 2012, 16:16 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die steigenden Energiepreise werden für die privaten Haushalte zu einer immer größeren Bürde und drohen sich zur Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft auszuwachsen.

Im vergangenen Jahr erhöhten sich die Energiekosten für einen Vier-Personen-Haushalt um durchschnittlich 321 Euro gegenüber dem Vorjahr, wie das Magazin "Focus" am Samstag unter Berufung auf einen bisher unveröffentlichten Monitoring-Bericht der Bundesregierung berichtete. Für Singles liege die Energie-Rechnung um 173 Euro höher, für Zwei-Personen-Haushalte um 217 Euro. Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums sagte, der Bericht befinde sich derzeit in der Ressortabstimmung und liege noch nicht in der endgültigen Fassung vor. Die genannten Zahlen bestritt er aber nicht.

Auch Großkonzerne, die derzeit noch von großzügigen Nachlässen beim Strompreis profitieren, müssen dem "Spiegel" zufolge mit wachsenden Energiekosten rechnen. Das Bundesumweltministerium werde im Februar entsprechende neue Bestimmungen vorstellen. Darin solle geregelt werden, welche Unternehmen künftig noch von den reduzierten Sätzen für jene Umlage profitieren, die im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes anfällt. Würden die bisherigen restriktiven Pläne des Ministeriums dazu umgesetzt, müssten etwa der Kohlebergbau, die Zement- oder auch die Ziegelindustrie mit der Streichung von Vorteilen rechnen, berichtete das Magazin.

In jedem Fall müssen aber die Privathaushalte mit weiter steigenden Energiekosten rechnen. "Der Umbau der Energieversorgung erfordert hohe Investitionen und kommt daher nicht ohne finanzielle Belastungen aus", zitiert Focus aus dem Monitoring-Bericht. Es müsse damit gerechnet werden, dass sich auch künftig die "Energiekosten der Verbraucher erhöhen", hieß es. Auch auf die Wirtschaftsentwicklung könnte der Anstieg von Strom- und anderen Energiepreisen drücken. "Die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Energieversorgung ist eine der Voraussetzungen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland langfristig zu sichern und die Kostenbelastung der Haushalte beherrschbar zu halten", mahnten die Autoren.

Aus Kreisen des Wirtschaftsministeriums hieß es, die in dem Bericht genannten Preissteigerungen beträfen rückblickend das Jahr 2011 und ergäben sich im wesentlichen aus höheren Preisen für fossile Energieträger wie Öl und Gas. Die Energiewende hingegen wirke sich darin noch nicht gravierend aus. Im Übrigen wurde von einem Ministeriumsvertreter auf die Bemühungen für einen Umbau des Fördersystems bei erneuerbaren Energien verwiesen, um die Energiepreise bezahlbar zu halten. Eine Reform des entsprechenden Gesetzes könnte noch in der laufenden Legislaturperiode gelingen, wenn alle an einem Strang zögen.

Trotz der Energiepreis-Explosion lehnt der Deutsche Städte- und Gemeindebund aber eine sogenannte "Strompreisbremse" ab. Das sei politisch der falsche Ansatz, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Gerd Landsberg, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Auch Sozialtarife sind für ihn kein zielführender Ansatz. Landsberg setzt vielmehr auf Energiesparen, auch bei Menschen mit unteren und mittleren Einkommen. "Wir werden Energie künftig viel mehr als das wahrnehmen, was sie ist: ein kostbares Gut", sagte Landsberg. Zudem warnte er vor einem Scheitern der Energiewende. Er nannte sie "eine Operation am offenen Herzen der drittgrößten Volkswirtschaft der Erde".

 
Power poles and power lines are seen in Hamburg September 28, 2012. Reuters/Fabian Bimmer (GERMANY - Tags: BUSINESS ENERGY)