Studie: Pflegebedarf aus Inland und der EU nicht mehr zu decken

Dienstag, 11. Dezember 2012, 17:00 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Der im Zuge der Alterung der Gesellschaft steigende Pflegebedarf kann einer Studie zufolge nicht mehr durch Fachkräfte aus dem Inland oder aus EU-Mitgliedsstaaten gedeckt werden.

Seit Ende 2009 übersteige die Zahl der gemeldeten offenen Stellen in der Altenpflege die der als arbeitslos registrierten Personen, geht aus der am Dienstag vom Wirtschaftsministerium in Berlin präsentierten Studie hervor. Im März diesen Jahres standen bundesweit knapp 10.000 offenen Stellen nur 3.268 arbeitslos gemeldete Altenpfleger gegenüber.

Die Experten kommen zu dem Ergebnis, dass bis zum Jahr 2025 der Bedarf an Alten-Pflegekräften im Vergleich zu 2010 um 180.000 Vollzeitarbeitskräfte ansteigen wird, was einem Zuwachs um 28 Prozent entspricht. Schon von 2000 bis 2010 wuchs das Pflegepersonal um 168.000 Vollzeitkräfte an.

Um den Bedarf stärker durch einheimische Kräfte abzudecken, empfehlen die Autoren die Erhöhung der Zahl von Vollzeitbeschäftigten, die Steigerung Frauenerwerbsquote, die Mobilisierung stiller Reserven und die Erhöhung der Verweildauer im Beruf. Auch durch die Steigerung der Attraktivität der Pflegeberufe durch bessere Arbeitsbedingungen oder Lohnsteigerungen könnten Fachkräfte gewonnen werden.

REGIERUNG: MENSCHEN AUS DRITTSTAATEN FÜR PFLEGE NÖTIG

Die volle Deckung des Bedarfs durch inländische Fachkräfte wird jedoch als unrealistisch angesehen. Der Parlamentarische Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Ernst Burgbacher, sprach sich daher dafür aus, den Bedarf an Pflegefachkräften durch eine gezielte Einwanderung zu decken. Dabei stehe Deutschland mit anderen Ländern im internationalen Wettbewerb. "Wir müssen uns bewusst werden, dass ausländische Fachkräfte keine einheimischen Arbeitnehmer verdrängen, sondern zwingend notwendig sind, um in Zukunft ausreichende Pflegedienstleistungen anbieten zu können", sagte der FDP-Politiker. Im Rahmen eines Modellvorhabens soll Menschen aus Drittstaaten eine Ausbildung in der Altenpflege und damit eine langfristige berufliche Perspektive in Deutschland ermöglicht werden.